Alte Schule des Detoxens: Yoga und Fasten

Immer im Frühjahr und Herbst boomen die sogenannten „Detox“-Angebote, als Workshop, Yogareisen oder -wochenende. Eigentlich ist Detox die abgespeckte Version einer ganz traditionellen Angelegenheit: den Körper zu entgiften, mit Bewegung und Diät oder gar Fasten. Man nennt es auch Kur. Yogalehrerin Petra Schönenberg beschreibt, wie so etwas abläuft. Hier ihr Selbstversuch.

Auch in mir entsteht nach einem langen, anstrengenden Winter mit viel privatem Stress und immer wiederkehrenden heftigen Erkältungskrankheiten der Wunsch, aufzuräumen, zu entrümpeln, zu entgiften. Nicht nur körperlich, nein, ich möchte mich auch geistig für eine Zeit dem Alltag zu entziehen und schauen: Was belastet mich nur noch, was brauche ich nicht mehr? Das Angebot für einen passenden Rahmen ist groß, aber nicht alles wirkt seriös. Bei einigen Angebietern scheint es sich eher um Wandern und heisses Wasser trinken zu handeln und dabei in Klosterzellen zu nächtigen. Will ich das? Wie seriös ist das und kann ein methodisch falsch aufgebautes Fasten nicht auch durchaus gesundheitliche Risiken bergen?

Das Fasten ist keine Erfindung von Menschen, auch nicht von Ärzten. Vielmehr ist der Wechsel von Essen und Nahrungsverzicht eine Polarität, die der Natur innewohnt. Es ist ein Grundprinzip des Lebens: Ohne Wachen kein Schlaf, ohne Bewegung keine Ruhe, ohne Freude keine Trauer – und umgekehrt. Tiere verzichten in Zeiten, in denen die Umweltbedingungen schädlich sind, auf Nahrung (Winterschlaf) und auch wir Menschen verweigern aus einem guten Instinkt heraus bei Krankheit die Nahrung. Oder zumindest zwischen Abendessen und Frühstück, im Englischen heißt das Frühstück dementsprechend „breakfast“.

Den Gedanken von diätischen Richtlinien formulierte schon Hippokrates: „Eure Nahrung sei euer Heilmittel, und euer Heilmittel sei eure Nahrung. Die vornehmste und wirkungsvollste Art aber, euren inneren Arzt wirken zu lassen, besteht im Weglassen aller Nahrung, also in der Entsorgung des Körpers von allem Übel und dem damit verbundenen Wachwerden wunderbarer Heilkräfte.“ Dieser „innere“ Arzt besitzt ein sicheres Gespür dafür, worauf der Körper verzichten kann und was er ausscheiden möchte. Jedes Zuviel im System wirkt als Gift. Es sind fettige, verkalkte Ablagerungen in den Blutgefäßen, durch Entzündungen entstandene Eiweißablagerungen und schädliche Verbindungen zwischen Eiweiß und Zucker, die im Körper als Gift, also toxisch wirken. Beim Fasten liegt man vom ersten Tag an auf dem Operationstisch der Natur, denn das Fasten wird deshalb oft als „Operation ohne Messer“ bezeichnet. Der Körper nutzt wie eine Müllverbrennungsanlage angehäufte Depots, um die tägliche Stoffwechselenergie zu erzeugen.


Staatsbad Bad Brückenau © Malteser Klinik von Weckbecker

In Deutschland machte der Marinesanitätsoffizier Otto Buchinger um 1920 nach einer Fastenkur bei dem damals führenden Fastenarzt Gustav Riedlin eine so einschneidende Erfahrung, dass er fortan sein Leben der Fastentherapie widmet und mehrere Fastenkliniken gründet. 1935 erschien sein bekanntestes Buch „Heilfasten“ und 1950 werden Diätik und Fasten Lehrinhalte des Lehrstuhls für Physiotherapie an der Humboldt-Universität in Berlin. Sie fanden damit Eingang in die humanitäre Medizin.

Ich entschied mich für eine einwöchige Heilfastenkur in der Malteser Klinik von Weckbecker nahe Fulda. Hier ist das Saftfasten, aus dem ursprünglichen Tee- und Wasserfasten entwickelt, Programm. Es ist  neben dem Molkefasten die geläufigste Fastenform. Heilfasten bedeutet freiwilligen Verzicht auf feste Nahrungs- und Genussmittel für eine begrenzte Zeit. Unverzichtbar ist dabei die reichliche Zufuhr kalorienfreier Getränke und die Förderung aller Ausscheidungsvorgänge des Körpers. Zeitgleich mit meinem Aufenthalt begann auch die christlich inspirierte Fastenzeit. Und so lernte ich nicht nur Menschen kennen, die aus gesundheitlichen Gründen fasten, sondern auch aus einem tiefen seelischen und religiösem Bedürfnis heraus.

In meinem Paket eingeschlossen waren ein ärztliches Check-up zu Beginn und am Ende der Kur, tägliche Colontherapie (Darmspülung) nach einem besonders „angenehmen“ Verfahren sowie Kneippsche Anwendungen, eine therapeutische Massage, Ergometrie und viele zusätzliche Bewegungs- und Gesprächsangebote neben medizinischen und ernährungstechnischen Vorträgen und Kurse. Ergänzt wird das Ganze durch eine aus- und einladende Saunalandschaft sowie zusätzlich buchbaren therapeutischen Behandlungen. Und das alles direkt am Waldrand in der schönen Rhön gelegen, nahe dem sehenswerten klassizistischen Staatsbad Bad Brückenau.

Das anfängliche Arztgespräch war ausführlich, einfühlsam und kompetent. Auch im Folgenden fühlte ich mich vom medizinischen, therapeutischen und vom Servicepersonal fürsorglich behandelt und gut aufgehoben. In Absprache mit dem Fastenarzt entschied ich mich auch zu einer Eigenbluttherapie, um meine chronische Sinnusitis in den Griff zu kriegen und einer Breuss/Dorn Behandlung, um Beschwerden im Rücken entgegen zu wirken. Ich beginne meinen Aufenthalt am späten Nachmittag mit einem Meditationsangebot und dem „Abendessen“ – sprich: Tee. Der Tag endet für mich mit dem obligatorischen Glas Bittersalz.

Täglich geht es früh zwischen sieben und acht Uhr mit Kneippschen Anwendungen, Colontherapie und Ergometrie los, gefolgt vom Frühstück aus einem frisch gepressten Gemüsesaft. Der Vormittag ist ausgefüllt mit Therapie- und Bewegungsangeboten. Nach dem Mittagessen, eine klare Gemüsebrühe, gibt es den „Kartoffelsack“, ein heißer Leberwickel, der den Entgiftungsprozess unterstützt und in eine kurze Mittagsruhe eingebettet ist. Auch der Nachmittag ist mit Anwendungen schnell vorüber oder man nutzt die Zeit für Spaziergänge und kleinere Ausflüge.

Die ersten zwei Tage habe ich ungewohnt heftige Kopfschmerzen und keiner kann sagen, ob es an meiner abklingenden Nasennebenhöhlenentzündung oder am Koffeinentzug liegt, ein Phänomen, das ich schon aus früheren Fastenerfahrungen kenne. Allerdings sind die Beschwerden so intensiv, daß mir schwindelig ist und ich leichte Sehstörungen habe. Oder brauche ich jetzt langsam doch eine Brille? Aber dies lässt am dritten Tag nach und ich spüre, wie ich vitaler werde. Ich beginne die Pausen zwischen Anwendungen mit meiner eigenen Yogapraxis zu füllen und nehme, sofern noch Zeit ist, auch gerne Qui Gong, Flexibar und Trommelangebote war. Mit jedem Tag fühle ich mich besser. Meine Erkältungsbeschwerden lassen nach, alles fließt sozusagen ab. Ich spüre keinen Hunger, aber muss ungewöhnlich oft an „Snickers“ Riegel denken, eine Süßigkeit, die im Alltag in der Regel nicht auf meinem Essensplan steht.

Die Woche vergeht schnell und da ich mit meiner Rückkehr nach Berlin gleich wieder im Alltag stehe, entscheide ich mich, am Abend vor meiner Abreise das Fasten zu brechen. Ich fühle mich „leichter“ und befreiter und kann endlich Entscheidungen treffen, die meinen oft stressigen Alltag entlasten werden. Und ich nehme mir vor: Das war dieses Jahr nicht das letzte Mal! Doch die schönste Bestätigung, genau die richtige Entscheidung getroffen zu haben, macht mir eine Bekannte nach meiner Kur als sie mich sieht: „Was ist denn mit dir los, du siehst aus wie ein junges Mädchen?!“…

Petra Schönenberg

Artikelfoto: © Malteser Klinik von Weckbecker

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