Interview: Yoga mit Führungskräften im Kloster

Nicht nur Business-Class und Smartphone, sondern auch eine Auszeit im Kloster gehören inzwischen zum Lebensstil vieler Führungskräfte. Yogalehrerin Susanne Hauptmann bietet ihnen Yogakurse in dem Bayerischen Kloster Seeon an. Wir führten mit ihr ein Gespräch über diesen Trend und überholte Vorstellungen von „Führungskräften“.

ys: Laut Ergebnis einer Studie von TNS Infratest im vergangenen Jahr sind gerade Führungskräfte in Yoga- und Meditationskursen besonders stark vertreten. Kannst du die steigende Nachfrage nach Yogakursen bestätigen?

Ich kann bestätigen, dass die Fach – und Führungskräfte besonders stark vertreten sind in meinen Seminaren. Das ist sicher dadurch bedingt, dass sie in ihrem Alltag geistig stark gefordert sind und es vielleicht noch ein wenig schwerer haben, abends abzuschalten. Die Akademiker-Quote bei meinen Seminaren liegt bei rund 80 Prozent.

ys: Auch die DFB-Fussballer haben einen Yogalehrer (Patrick Broome). Böse Zungen behaupten allerdings, das Angebot würde nur von den Spielerfrauen angenommen. Wie ist das in deinen Kursen, Hand aufs Herz: die Manager oder doch „nur“ ihre Frauen...?

In meinen Kursen ist es ganz häufig der Fall, dass die Frauen ihren Männern die Teilnahme am Seminar schenken, weil sie selbst gute Erfahrungen gemacht haben oder weil sie gelesen haben, dass Yoga gut zur Entspannung ist. In Bezug auf Yoga bestehen immer noch sehr viele Vorurteile, allerdings muss man sagen, dass es ja auch die unterschiedlichsten Richtungen, Traditionen und Lehransätze gibt, die vielleicht sogar das eine oder andere Vorurteil bestärken. Die Teilnehmer sind zu rund 60 Prozent Frauen und 40 Prozent Männer. Es gab aber auch Seminare, bei denen mehr Männer als Frauen teilgenommen haben.

Susanne Hauptmann gibt Yogakurse im Bayerischen Kloster © Susanne Hauptmann

ys: Was erwartet diese Klientel von Yoga? Kraft, Biegsamkeit oder eher Klarheit, mentale Stärke oder Ruhe, Entspannung und Abschalten?

Ich denke, in erster Linie wollen die Leute Entspannung. Wie sie dahin kommen, ist ihnen meistens relativ egal. Vor den „Verrenkungen“ haben die Meisten Angst oder lehnen sie ab und sind ganz erleichtert, wenn sie einfache Übungen machen können. Die meisten Führungskräfte sind bezüglich des Inhalts offen, das heißt sie haben weniger feste Vorstellungen über das, was sie erwartet beziehungsweise was sie selbst erwarten.

ys: Spiel auch das Thema „Burnout“ eine Rolle?

Ja, durchaus – wenn es der Terminkalender zulässt. Es kommt durchaus vor, dass sich ein Teilnehmer vielleicht für das Thema Burnout mehr interessiert hätte, er aber nur an dem Wochenende mit dem Thema „Kraft der Gedanken“ Zeit hat. Dann kommt er halt zu diesem Wochenende.

ys: Worauf kommt es beim Yoga gegen Burnout am meisten an?

Hier ist ein häufiges Phänomen, dass die Leute auch im Yoga mit 250 Stundenkilometer fahren wollen. Es fällt ihnen schwer, Übungen durchzuführen, die weniger Kraft, aber dafür mehr Konzentration verlangen. Die Weisheit, dass die Kraft in der Ruhe liegt, würden die gestressten Teilnehmer am Anfang des Kurses niemals unterschreiben... aber zum Glück sehen sie das am Ende des Kurses meist anders. 

ys: Was für ein Yoga machst du mit den Führungskräften?

Ich beschränke mich auf klassische Asanas und Meditation. Pranayama oder Mantren singen kommt in diesen Kreisen eher nicht so an…

ys: Vermittelst du auch die Philosophie? Welche klassischen Texte lassen sich hier gemeinsam lesen: die Upanishaden, das Yogasutra oder gar die Bhagavad Gita?

Ja, ich bin selbst ein großer Fan von Yoga-Philosphie und denke, hier gibt es eine Füllen von Parallelen zu „modernen“ Formen der Persönlichkeitsentwicklung. Viele sind überrascht, wenn sie diese Parallelen sehen. Gemeinsam lesen tue ich die klassischen Texte nicht, ich beschränke mich auf einschlägige Stellen, die ich zitiere.

ys: Yoga ist ein sanfter Weg, Gewaltfreiheit ein zentrales Prinzip. Das Geschäftsleben dagegen kann kämpferische, „harte“ Seiten abverlangen. Wie integrieren die Führungskräfte Yoga in ihren Arbeitsalltag?

Ich empfehle meinen Schülern stets „kleine Schritte“. Es geht ja nicht darum, den „großen Wurf“ zu landen. Und – ist es nicht ein Vorurteil aus den 60er oder 70er Jahren, dass Führungskräfte so hart sein müssen? Ist es richtig, wenn man einen Manager an einem kalten Blick, zusammengezogenen Augenbrauen und rücksichtslosem Handeln festmacht? Die wenigsten Führungskräfte entsprechen heute diesem Bild. Heute setzen sich die durch, die gut vernetzt sind und ein dementsprechendes Sozialverhalten an den Tag legen. Und Networking bedeutet Verbindungen herzustellen. Das ist ja schon Yoga pur.

ys: Kommen diese Schüler wieder - oder lassen sie es bei einer Yogaerfahrung?

In den Seminaren gibt es etwa 20 bis 30 Prozent Wiederholer. Wer einmal erfahren hat, wie es ist, innerlich zur Ruhe zu kommen, wird danach süchtig (lächelt).

ys: Vielen Dank für das Gespräch.

tis

 

Zum Thema

Internetseite von Susanne Hauptmann mit Informationen zur Auszeit in Klostern für Manager und alle anderen

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