Yoga aktuell 02 2009. Das steht drin

Eine wunderbare, aufgefrischte Ausgabe von Yoga aktuell - erstmals mit Editorial, dessen Autor ein paar philosophische Pirouetten vorführt. Viele andere Chefredakteure hätten an dieser Stelle stolz den Relaunch angesprochen und auf die wichtigsten Themen hingewiesen. Davon gibt es einige; man hat den Eindruck, Meditation ist der neue heiße Trend (Yoga dagegen machen jetzt alle, das ist kein Trend mehr). Passend zum Frühling widmen sich die  Gesundheitsthemen blutreinigenden Frühlingskräutern und heimischen Heilpilzen. Außerdem wird die Ayurveda-Kur Panchakarma erklärt. Passend zum Thema Reinigen geht es hier um das Abführen und Ausleiten.

Ein erster philosophischer Höhepunkt ist das Interview mit Ex-Schauspieler Pierre Franckh, der das Privileg hatte, aus Erfahrung sagen zu können: „Geld, Frauen und Erfolg“ würden nicht nicht glücklich machen. Heute hat er Erfolg mit Büchern, Vorträgen und Seminaren zum Thema Glück. Er erinnert mit eigenen, beseelten Worten an alte, eigentlich bekannte Weisheiten. Dazu gehört die Notwendigkeit, den Moment zu erleben und sich einfach "am Sein zu erfreuen".

Der Workshop aus dem Hause Lord Vishnus Couch führt diesmal durch eine Sequenz zum Drehsitz Matsyendrasana als Peak Point. Die in Zürich ansässige Lucia Nirmala Schmidt führt passend zum Frühling durch eine Chi-Yoga-Sequenz, die entschlacken und entgiften soll. Weite Passagen daraus leiten sich aus der stehenden Position, Tadasana, ab.

Anna Trökes beginnt in dieser Ausgabe eine Serie über Yoga Meditation. Sie referiert dabei auf der Grundlage bekannter Quellen wie Patanjalis Sutra und den Kommentaren von TKV Desikachar und Deshpande. Vorwiegend aus eigener Erfahrung spricht dagegen im Interview ein beeindruckend tiefer und klarer Om C. Parkin. Der Klostergründer und spirituelle Lehrer kommt aus der Tradition westlicher Tiefenpsychologie und fernöstlicher Einheitslehrer (Advaita) und erklärt auf dieser Grundlage unsere Ich-Struktur, die ständig inneren Lärm produziert und damit die Stille überdeckt, nach der wir uns sehnen. Stehen wir plötzlich der begehrten Stille gegenüber, macht sie uns Angst. Sie fühle sich an wie ein „Loch" und löse Fluchtreflexe aus.

Naomi Becker erklärt den Sinn von Yantras und Doris Iding fragt verschiedene spirituelle Lehrer nach dem Umgang mit Heiligkeit. Interessant an solchen Geschichten ist eigentlich der Vergleich der unterschiedlichen Antworten. Sie helfen bei der Suche nach eigenen Worten, genauso wie bei der Frage nach Auslöser und Bedeutung der Finanzkrise, zu der sich diesmal vier spirituelle Lehrer äußern, darunter Sukadev Bretz und Willigis Jäger.

Lesenswert und erschütternd: Yoga während des Dritten Reiches von Mathias Tietke. Die deutschen Yogis bieten – leider – keinen Stoff für Heldengeschichten aus dem Widerstand, im Gegenteil: Manche Autoren brachten „arische Lichtrasse“ und Yoga zusammen oder machten sich Gedanken über „National- und Rassenkarma.“

Preis: 
€6.50
Ausführung: 
Magazin
Verlag: 
Yoga Verlag