Yoga

Yoga, aus der Sanskritwurzel yuj, bedeutete ursprünglich Joch, wird aber auch mit Anschirren, Gespann oder Fahrt übersetzt. Die ersten Yogis übernahmen das Wort aus der Bauernsprache als Metapher für einen besonderen Bewusstseinszustand. Seit dem 6. Jahrhundert steht es auch für ein Übungssystem, das diesen Zustand technisch herbeiführt.

Die Weisen (rishis) aus dem Zeitalter des Veda beobachteten, dass manche Menschen den Zustand des Yoga auch unvermittelt, ohne zu Üben, erleben. Yoga sei ein anderes Wort für Samadhi, schreibt der indische Yogalehrer R. Sriram. Dieser Zustand wiederum wird in der Regel als ein Erlebnis der absoluten Klarheit, tiefen Entspannung sowie Harmonie mit sich selbst und dem Außen bis hin zur Einheitserfahrung dargestellt.

Yoga als Bezeichnung für ein Übungssystem, das diesen Zustand technisch herbeiführt, erwähnt erstmals das Taittiriya-Upanishad aus dem 6. vorchristlichen Jahrhundert. Die Upanishaden gilt als jüngste Textgruppe der Veden; die philosophische Grundlage des Vedanta, wörtlich das „Ende der Veden“.

Von zentraler Bedeutung für die Definition des Yogazustands ist das Sutra 1.2. aus dem rund 2000 Jahre alten Yogasutra des Yogagelehrten und Philosophen Patanjali: „Yogah citta vritti nirodhah“. Demnach ist Yoga der Zustand, in dem die Bewegungen (vritti) der Gedanken (citta) so ausgerichtet werden, dass sich im Übenden eine dynamische Stille (nirodhah) einstellt. Das Bild der Vereinigung aller Sinne und des Denkens in der Ausrichtung auf einen Gegenstand ist auch die gängige Interpretation der Metapher des Anschirrens. Doch wie bei Metaphern üblich, interpretiert heute jeder Lehrer und Experte Yoga je nach Erfahrungshintergrund etwas anders. Die Beschreibungen reichen von Erlebnissen von “Vereinigung“ oder „Flow“ über „Intimität mit der Wirklichkeit“ (Mark Whitwell) bis hin zum „Weg zu mir selbst“ (Richard Hackenberg) oder „Gang zu Gott“ (Sigmund Feuerabendt).

Literatur

Patanjali. Das Yogasutra (Von der Erkenntnis zur Befreiung). Einführung, Übersetzung und Erläuterung von R. Sriram

Über Freiheit und Meditation. Das Yoga Sutra des Patanjali (Eine Einführung). Übertragung und Kommentar von T.K.V. Desikachar

Der Stammbaum des Yoga (5000 Jahre Yoga – Tradition und Moderne). Mathias Tietke

Yoga-Philosophie-Atlas. Eckard Wolz-Gottwald

Yoga aktuell 05/2011. Artikel „Vom Ur- zum Feuerabendt-Yoga“, Porträt von Sidmund Feuerabendt, Mathias Tietke.