Tief durchatmen: 7. Yoga-Festival Berlin am Wannsee
Im siebten Jahr seines Bestehens muss man das größte deutsche Yogafestival kaum mehr erklären: Am kommenden Wochenende strömen Neugierige, Yogis und Yoginis aller Stilarten raus an den Wannsee bei Berlin und genießen Yoga in einer unverwechselbaren Atmosphäre aus Natur, Musikfestival und Bazar. Über 50 Lehrer und Musiker werden erwartet. Hier die Highlights.
Eigentlich gehört schon die Anreise zum Festivalerlebnis: Selbst für die Gäste von weither führt sie über Berlin raus an den See, und zwar am besten mit der S-Bahn nach Wannsee und dann mit der Fähre (die im Fahrschein inbegriffen ist) rüber nach Kladow. Bei der Überfahrt zerwuschelt einem dann schon die frische Luft die Frisur und man holt erstmal tief und befreit Luft. Die Seebrise hauchte offenbar auch den Veranstaltern das diesjährige Motto ein: „Every breath you take“. Die Nähe zu dem großen Hit von Police scheint durchaus beabsichtigt, schließlich gilt Sting als leidenschaftlich praktizierender Yogi. Musik spielt auch dieses Jahr wieder eine tragende Rolle neben den Marktständen, Vorträgen und Yoga-Klassen unter freiem Himmel. Den inoffiziellen Auftakt findet mit einem Konzert von Babek Bodien schon Donnerstagabend statt.
Offiziell eröffnet wird das Festival aber erst am Freitag, 24. Juni, 14 Uhr von Stefan Datt und Miriam Kretzschmar, den Organisatoren des Vereins Lernen in Bewegung, der offiziell als Veranstalter firmiert. Satyaa & Pari, die in den vergangenen Jahren immer den mitreißenden Abschluss-Kirtan gaben, werden jetzt schon am Samstagabend spielen. Buchstäblich ausklingen wird das Festival dagegen mit einem Bhajan-Konzert der Musiker Swami Gurusharananda und Swami Mangalananda, die erfahrene Festivalbesucher bereits aus vergangenen Jahren kennen. Auch die beliebte Gong-Meditation am Sonntagnachmittag von Nanak Dev Singh Khalsa & Friends hat auch diesmal wieder ihren festen Platz im Programm. Erstmals zu hören dagegen ist die Mallik-Family, die in ganz Indien für ihre besonders rhythmische Interpretation des Dhrupad-Stils berühmt ist. Außerdem führen sie auch Khyals, Taranas, Ghazals, Bhajans und Lieder des mittelalterlichen Dichters Vidyapati im Thumri-Stil auf.
Eine spannende erste Begegnung für die hiesige Szene gab es im vergangenen Jahr mit dem über 100-jährigen Swami Yogananda aus Rishikesh. Er eroberte die Herzen im Sturm und versprach, nächstes Jahr wieder zu kommen. Angesichts seiner Vitalität hegte keiner Zweifel daran. Und, voilá - er ist wieder dabei. Zu den Highlights gehört auch eine weitre betagte, wenn auch nicht minder vitale berühmte Lehrerin aus Brasilien: die 83-jährige Gründerin des weltweit erfolgreichen Hormon-Yoga, Dinah Rodrigues.
Interessant dürften auch die Vorträge erfahrener indischer Meister werden wie Sadhguru Jaggi Vasudev, Mystiker, Humanist und Gründer der überkonfessionellen gemeinnützigen Stiftung Isha Foundation und die international bekannte Weisheitslehrerin Leela Mata aus den USA. Sie steht in der Tradition von Swami Sivananda und spricht beim Festival über Prana, Atmung und Energie im Ayurveda. Der Tantriker Michael J. Stewart war 2010 zufällig für einen Workshop bei YogaCircle in der Stadt und fiel einigen Festivalbesuchern schon als neugieriger Gast auf – dieses Jahr kündigt ihn das Programm mit einer Veranstaltung über Tantrisches Hatha-Yoga und Ausrichtung zum Göttlichen an. Thomas Hübl, der rührige spirituelle Lehrer aus Wien und Gründer des Celebrate Life Festivals, spricht im großen Zelt – und verlässt sich dabei auf seinen Namen – im Programm steht als Thema einfach nur „Talk“. Konkreter gibt Shubhraji ihre Themen an, über den „launischen Geist“ und „Gesetzen der Sprache“, wobei die Vedanta-Gelehrte sicherlich einige Aufschlüsse über die starke Wirkung von Mantras sagen wird – sofern diese richtig ausgesprochen werden.
Eigentlich ist es gemein, immer nur die großen Gastlehrer zu nennen, die von weither anreisen und Vorträge halten – und dabei die vielen ansässigen local heroes ungenannt zu lassen, die beim Festival die beliebten Asana-Klassen verschiedener Stilrichtungen anbieten. Diese Unsitte sei mit der Fülle entschuldigt, die das Programm bietet. Das Yoga-Festival Berlin ist auch immer gut, um Neues zu entdecken, sich auf Unbekanntes einzulassen. Dazu bietet das kommende Juni-Wochenende reichlich Gelegenheit. Tickets für das Konzert von Babek am Donnerstag kosten zehn Euro, eine Tageskarte für Erwachsene (ab 18 Jahren) 16 Euro und eine Karte für das ganze Festival 38 Euro. Die wenigen Zeltplätze dagegen sind bereits ausverkauft.
Zum Thema
Weitere Informationen, das komplette Programm und Tickets erhält man über die Internetseite des Yoga Festivals
Fotostrecke vom Yoga Festival 2010
Beiträge zu Lernen in Bewegung e.V. auf yogaservice.de
Videointerview mit Swami Yogananda auf yogaservice.de
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