Schreib-Yoga: Milenas Affe heißt Marcel

Yoga und Schreiben passen gut zueinander. Asanas lockern nach der einseitigen Schreibtischarbeit. Vor allem aber geht es hier wie dort um blockadefreies Fließen und einen mutigen, offenen Blick in den Spiegel. Bestsellerautorin Milena Moser und Yogalehrerin Barbara Immick bieten Workshops an, die Yoga und Schreiben verbinden. Lisa Mittag hat für yogaservice.de aufgeschrieben, wie sie den Schreibasana erlebte.

Ich stehe in Ardha Uttanasana*, die Arme zu den Seiten ausgebreitet wie Flügel. Eine eher angenehme Variante dieser Position. Doch ich ahne was kommt. Als Barbara die Position ein drittes Mal anleitet, lässt sie uns die Arme lang nach vorne ausstrecken. Die Viniyogalehrerin und (Mit-) Leiterin der Yogaschule Hannover führt uns sanft, aber bestimmt durch immer neue Varianten verschiedener Asanas. Thema unseres ersten Schreibyogatages ist unsere Form. Wir sollen unsere Form finden, die Variante des Asanas, die für unseren Körper angemessen ist.

Barbara Immick und Milena Moser. @ Lisa Mittag

Aber was ist das eigentlich, „angemessen“? Was ist meine Form? Habe ich so etwas überhaupt? Bin ich faul, weil ich bei der vierten Wiederholung des Asanas nur die mittelschwere Variante halte? Vielleicht bin ich einfach nur Mittelmaß? Dann kann ich das mit dem Schreiben ja gleich lassen! Mein Blick wandert zu Milena Moser hinüber. Noch so eine Yogatodsünde. Aber wann hat man schon mal die Gelegenheit mit einer Bestsellerautorin gemeinsam Yoga zu üben? Ganz selbstverständlich hält sie elegant die mittlere Version des Asanas. Ich erwische mich dabei, wie ich sie erstaunt anstarre. Was hatte ich denn gedacht? Das man nur erfolgreich schreiben kann, wenn man die schwierigsten Varianten eines Asanas übt oder andersherum?

Mein ewig plapperndes Gehirn hat mich als Geisel genommen und hält mich in einem unnachgiebigen Gedankenstrom gefangen, bis endlich die erste Schreibsession mit Milena beginnt. Auch mit ihr suchen wir unsere Form, unseren Schreibstil. Fasse ich mich lieber kurz oder neige ich zu ausführlichen Beschreibungen? Schreibe ich lieber aus meiner Perspektive oder sitze ich gerne im Kopf einer anderen Person? Doch woher weiß ich, was mein Stil ist? Milena motiviert uns dazu, uns selbst zu vertrauen und vertraut auf „Schreibasana“: Ihre Schreibübungen führen uns weg vom erfolgs- oder ergebnisorientierten Schreiben, weg von dem, was wir glauben, schreiben zu müssen und hin zu dem, was wir schreiben können. Nur so werden wir kreativ und von der Muse geküsst.

Ihr größter Feind ist mir heute schon beim Yoga begegnet: Der Affe! Beim Schreiben flüstert er uns ins Ohr, dass wir gerade den größten Unsinn zusammenschreiben, der jemals geschrieben wurde. Und er fragt uns, wie wir ernsthaft glauben können, jemand wolle diesen Schwachsinn auch noch lesen! Milenas Affe heißt Marcel. Nie hätte ich gedacht, dass sie einen Affen hat! Beruhigt werfe ich meinem Affen ein paar Bananen hin und beginne zu schreiben.

Hierfür bietet das Wochenende reichlich Zeit. Die Atmosphäre während des Schreibyogaworkshops mit Barbara Immick und Milena Moser ist wunderbar
entspannt. Der Austausch mit den anderen Schreibenden ist vergleichbar mit einem Treffen Reisender, die sich von ihren überstandenen Abenteuern erzählen. Gemeinsam wechseln wir vom Yogen zum Schreiben und zurück und entdecken immer neue Parallelen. Wir besuchen eine Buchhandlung, die exklusiv für uns am
Sonntag öffnet und fühlen uns wie Kinder nach Ladenschluss in der Süßwarenabteilung.

Schreiben und Yoga ergänzen sich so gut wie Barbara und Milena und das nicht nur, weil Yoga so gut gegen die Nackenverspannungen nach dem Schreiben hilft. Beide beherrschen und lieben ihr „Spezialgebiet“ und sind dabei ein großartiges, stressfreies und keine Minute langweiliges Team. Nach dem Workshop schwebe ich zufrieden und entspannt nach Hause. Im Gepäck den Vorsatz, jeden Tag 20 Minuten zu schreiben – und ganz viel Hoffnung auf den nächsten Schreibyogaworkshop!

Lisa Mittag

Workshopteilnehmer bei Schreibübungen. @ Lisa Mittag

*halbe stehende Vorbeuge

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