Rishis

Rishi (sanskrit) sind Seher, Heilige. In der traditionellen indischen Überlieferung gelten sie als diejenigen, die das heilige Wissen des Veda „gesehen“ oder besser: „gehört“ haben. Deshalb werden die vedischen Texte auch die sruti genannt: das „Gehörte“. Die Rishis sind streng genommen die „Empfänger göttlicher Offenbarung“; die Inhaber des heiligen Wissens, das sie lange Zeit nur mündlich im exklusiven Kreis weitergaben. In Anbetracht der Tatsache, dass die tatsächliche Zeit und historischen wie kulturellen historischen Umstände der Entstehung des Yoga wissenschaftlich umstritten sind, nennen viele westliche Yogalehrer die Rishis die mythischen „Alten“, die durch Beobachtung und Meditation erste Yogaerfahrungen sammelten. Ihren philosophischen Einsichten maß man zu Urzeiten magische Kräfte zu. Das verlieh ihnen Macht, die später in der hohen Kaste der Brahmanen gesellschaftlich etabliert wurde. Die Brahmanen sind die „Spezialisten der Mysterien und Meister der Riten“, wie Mircea Eliade schreibt. Während brahmanische Priester nur Männer waren, findet man in den Veden unter den Weisen auch Frauen, die sogenannten Rishikas. Magie – der Glaube an die Kontrolle irdischer Kräfte – wandelte sich im Laufe der Zeit in Mystik – die Kontrolle des eigenen Geistes. Yoga nach diesem Verständnis erscheint in der Literatur erstmals im 6. vorchristlichen Jahrhundert in den Upanishaden, der jüngsten Textgruppe innerhalb der Veden. Sie nennen Rishis als große Weise und berühmte Lehrer wie Yajnavalkya mit Namen und machten sie so zu legendären Yogis.

Literatur

Der Stammbaum des Yoga (5000 Jahre Yoga – Tradition und Moderne). Mathias Tietke

Yoga-Philosophie-Atlas. Eckard Wolz-Gottwald

Yoga. Unsterblichkeit und Freiheit, Mircea Eliade,

Autobiographie eines Yogi, Paramahamsa Yoganananda

Vedischer Yoga, David Frawley, Artikel in Yoga aktuell