Jenseits der Matte: Ökoyogisch handeln

Yoga und Ökologie zusammenzubringen, dies ist Anliegen des neuen Buches von Hardy Fürch, der seit 1992 Integralen Yoga und Meditation unterrichtet und gelegentlich auch für das Deutsche Yoga-Forum schreibt. In diesem, seinem nunmehr vierten Buch hat er alles richtig gemacht, um die Bewertung und somit meinen persönlichen Eindruck, ausnahmsweise mal vorwegzunehmen.

 Wie schon bei der vorangegangenen Veröffentlichung „Von Mangos und anderen Früchten. Sex, Politik und die Essenz des Lebens“ (ebenfalls Phänomen Verlag, 2007) hat der Autor wiederum auf sein zuvor verwendetes Pseudonym Leopold Walter verzichtet, lediglich ein Alter Ego wurde eingefügt: der Öko-Yogi Gaiananda, dessen Name Programm ist, denn es geht um die „Glückseligkeit“ des Planeten Erde, der die Lebensgrundlage aller atmenden Wesen ist.

Im Vorwort macht Hardy Fürch deutlich, dass es (ihm) darum geht, ein öko-yogisches Bewusstsein zu fördern und was er unter Green- beziehungsweise Öko-Yoga versteht: eine ganzheitliche, integrale Lebenspraxis, die Yoga und Ökologie, Innen und Außen sowie individuelle und kollektive Entwicklung zusammenführt. Um dies umzusetzen, vermittelt er mit der Kosha-Lehre den integralen Kosha-Yoga und mit zeitgemä&szli

g;en Ausführungen zu den Yamas und Niyamas den Ethik-Yoga.

Green-Yoga setzt sich also zusammen aus der Praxis des Kosha-Yoga und der Anwendung des Ethik-Yoga. Oder anders ausgedrückt: Ethik-Yoga plus Kosha-Yoga ergibt die Integration von Yoga und Ökologie. Dabei behält Hardy Fürch einen für das Ziel, Yoga und Ökologie zusammenzubringen, wichtigen Punkt stets im Blickfeld und formuliert es am Ende des Kapitels über den Menschen aus yogischer Sicht und die „Lehre von den Hüllen“ auch wörtlich: „Was kann jeder sofort tun?“.

Ein empfohlenes Werkzeug ist zum Beispiel die Dekonditionierung, dies bedeutet vor allem: Weniger ist mehr. Im Abschnitt über den Niyama Samtosha (Zufriedenheit) wird das folgendermaßen ausgedrückt: „Sich nach und nach vom Überflüssigen zum Essentiellen hin bewegen – das ist der Schlüssel für Zufriedenheit.“ Und die „Belohnung“ für die Fähigkeit, loslassen zu können, ist „immer ein höherer Grad an persönlicher Freiheit“.

Seinen Öko-Yogi Gaiananada lässt Hardy Fürch an dieser Stelle ausrufen: „Reich ist nicht derjenige, der viel hat, sondern derjenige, der wenig bedarf.“

Da diese Einstellung in besonderem und konsequenten Maße von Asketen gelebt wird, trifft der im ersten Kapitel vom Autor behauptete Widerspruch zwischen einer der Welt abgewandten asketischen Richtung und einer weltbejahenden öko-yogischen Sicht im Grunde nicht zu, denn asketisches Leben ist in aller Regel ökologisch, da es von Genügsamkeit geprägt ist, wovon ich mich insbesondere in Indien mehrfach überzeugen konnte.

Ansonsten kann man sowohl Hardy Fürch als auch dem Öko-Yogi Gaiananda,  dessen Aussprüche mitunter von einer von Maik Klause gezeichneten Figur, die wiederum dem Autor ähnlich sieht, illustriert werden, nur beipflichten und hoffen, dass der abschließende Ausblick „Wie Green Yoga die Welt ändert“ nicht nur ein frommer Wunsch bleibt, sondern möglichst viele Menschen möglichst bald Verantwortung übernehmen.

Problembewusstsein statt Augen-zu-und-durch-Mentalität: Hardy Fürch skizziert engagiert und durchweg lesenswert Weltverbesserung durch Yoga in einem ansprechend gestalteten sowie konsequent schmalen und kleinformatigen Band, was hinsichtlich der Stimmigkeit von Inhalt und Form geradezu öko-logisch ist.

Daran sollten sich die Vielschreiber der Yoga-und-Weisheits-Szene ein Beispiel nehmen. Ein mehrjähriges Pausieren beziehungsweise. Nichtbeschreiben des Unbeschreiblichen würde der Umwelt, den LeserInnen und auch den AutorInnen selbst gut tun!

Mathias Tietke /Deutsches Yoga Forum

 

Preis: 
€14.90
Ausführung: 
Gebundene Ausgabe
Verlag: 
Phänomen, Hamburg
ISBN/ASIN: 
978-3933321763