Reise ins Ursprungsland: Zur Praxis nach Indien

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Viele begeisterte Yogis reizt es, Yoga auch einmal dort zu üben, wo es entstand. Das Angebot ist verwirrend vielfältig, auch auf Yogatouristen hat man sich eingestellt. Religionswissenschaftler und Yogaphilosophielehrer Eckard Wolz-Gottwald bereiste den Subkontinent viele Male, um die Wurzeln des Yoga zu erforschen. Hier seine Einschätzungen und Tipps.

Seit etwas über zehn Jahren hat auch Indien der Yogaboom erfasst. Schon auf dem Flughafen begrüßt den Touristen auf großen Plakaten ein Yogi mit langen Haaren und beeindruckendem Bart. Noch mit Freude wird man dann feststellen, dass auch das Hotel auf seiner wunderschönen Dachterrasse einen Yogakurs anbietet. Die Werbung im Hotel eigenen Fernseher ermuntert dazu, ein besonders wirksames Amulett zu erwerben. Gleich danach aber wieder Yoga. Der gleiche Yogi vom Flughafen fordert dort zum Mitmachen auf, bei einem gleichfalls besonders wirksamen Asana (A.d.R.: Yogahaltung).

Und auch beim Rundgang durch die quirligen Straßen blickt einen auf unzähligen Werbeplakaten der gleiche, anscheinend allgegenwärtige Guru entgegen, den man schon vom Flughafen und Fernsehen kannte. Es handelt sich um den erst 1971 geborenen Baba Ramdev, das Symbol des indischen Massenyoga der Gegenwart. Ramdev machte nicht nur Patanjali, den bis vor wenigen Jahren in Indien kaum jemand kannte, zum großen Nationalheiligen. Er setzte auch den yogischen Grundsatz des aparigraha außer Kraft, nach dem der wahre Yogameister für seine Unterweisungen nur freiwillige Spenden entgegennehmen darf. Der Westen machte es vor. Und es blieb dem indischen Auge nicht verborgen, dass westliche Yogis mit Yoga gutes Geld verdienten. Nun entdeckten auch die Inder, dass Yoga und Geld sich nicht widersprechen müssen. Zumindest Baba Ramdev ist durch Yoga inzwischen in die Liga der Superreichen des modernen Indien aufgestiegen.

Und viele wollen ihm nacheifern. Wie Pilze sprießen Yogaschulen aus dem indischen Boden, wobei gerade auch die Dollars und Euros der Suchenden aus dem Westen in den Blick gekommen sind. Wie ist es jedoch möglich, bei der Fülle dieses Yoga-Angebotes den ursprünglichen, authentischen und spirituellen Yoga Indiens zu finden?


Baba Ramdev – das allgegenwärtige Symbol des heutigen Massenyoga in Indien. © Eckard Wolz-Gottwald

Die bedeutendsten Zeugen der spirituellen Tradition Indiens bilden die oft schon Jahrhunderte bestehenden Klöster des Svami-Ordens, die auf den großen Shankara zurückgehen. Insbesondere der Shankaracharya von Sharada Math in Sringeri gilt als große spirituelle Persönlichkeit, zu der sich die Pilgerschaft mit Sicherheit lohnt. Der Zugang zu den traditionellen Klöstern gestaltet sich für den Menschen aus dem Westen jedoch meist als schwierig. Es kann nicht vorausgesetzt werden, dass man Englisch spricht. Auch muss man sich auf einen Personenkult um den Meister einstellen, wie wir ihn im Westen nicht mehr gewohnt sind.

Wer dem ausweichen will, der findet inzwischen an vielen Universitäten Indiens ein umfangreiches Angebot an Yoga-Programmen, vom einfachen Yoga-Zertifikat über den Bachelor-Abschluss bis hin zum Doktorat in Yogic Studies. Eine Universität wie die University of Mumbai entspricht dabei eher den Vorstellungen des westlichen Akademiebetriebes als zum Beispiel die Bihar School of Yoga, die sich als universitäres Yoga-Ashram versteht. Aber selbst in Mumbai sieht man Studenten die Tische und Stühle aus den Hörsälen heraustragen, ihre Matten ausbreiten, um sich dann intensiv der Übungspraxis zu widmen.


Das umfangreiche Programm des Yoga Instituts Sri Yogendras © Eckard Wolz-Gottwald

Am meisten werden jedoch die modernen Ashrams und Institute den Bedürfnissen der Suchenden aus dem Westen entsprechen. Wichtig sind die Yogazentren, die von den großen Meistern der Yoga-Renaissance des 20. Jahrhunderts ins Leben gerufen worden sind. Alle Meister, von Svami Shivananda, über Sri Yogendra bis zu T. Krishnamacharya, sind allerdings inzwischen gestorben. Die von ihnen begründeten Institutionen haben jedoch unter der Leitung ihrer Nachfolger weiterhin Bestand und bilden die Felsen in der Brandung des heutigen Massenyoga. Hier ist es möglich, den wöchentlichen Satsang zu erleben, an einem einwöchigen Einführungskurs teilzunehmen oder auch eine nach westlichem Vorbild in Module strukturierte, mehrjährige Ausbildung mit Abschlussdiplom zu absolvieren. Einmal bildet ein persönliches Gespräch die Voraussetzung für die Aufnahme. Das andere Mal kann sogar ein Antragsformular von der Website heruntergeladen werden. Wer sich jedoch als Drop-in-Tourist zu erkennen gibt, der gerne einmal einen echten Yogi besichtigen will, der kann abgewiesen werden. Eine solche Ablehnung wäre natürlich schmerzhaft. Ein wichtiger Hinweis ist jedoch gegeben, dass wir nicht nur wegen unseres Geldes unterwiesen werden, sondern dass wir wirklich auf den spirituellen Yoga in Indien gestoßen sein könnten.

Eckard Wolz-Gottwald

 

Artikelfoto: Ausschnitt aus dem Film „Der atmende Gott“ über den Ursprung des modernen Yoga. @ Jan Schmidt-Garre

Zum Thema

Einen Reiseführer zu den bedeutendsten Orten des spirituellen Yoga in Indien steht im Anhang 1 des Yoga-Philosophie-Atlas.

Adressen aus der aktualisierten Fassung des Anhangs des Yoga-Philosophie-Atlas auf yogaservice.de