Praxisbericht: Quantum Yoga mit Lara Baumann

Lara Baumann

Schon vor 2500 Jahren wussten es die Buddhisten, Yogis, Rishis, Sufis der Welt: Kein Zustand, ob Beziehungen, Arbeitssituationen, finanzieller Status, politische Situationen, Emotionen oder Gedankengänge, bleibt von Minute zu Minute gleich. Alles obliegt der Zeit und den Umwelteinflüssen der Umgebung. Eine Sache ändert sich für den Betrachter je nach Umstand. 

Lara Baumann stellte sich nach jahrelangem Studium verschiedenster Yogarichtungen wie Iyengar, Ashtanga, Jivamukti Yoga und Shadow Yoga die Frage, ob es nicht möglich wäre, seine Sequenzen kreativ dem inneren Zustand anzupassen, anstatt rigide täglich immer die gleiche Yogapraxis zu üben, ohne Rücksicht auf körperliche, emotionale Befindlichkeiten zu nehmen. Entstanden ist aus diesen Einflüssen Quantum Yoga, ein dynamisches Vinyasa Flow Yoga, ein 'Grouping-sequencing system', dass ganz optimal auf den individuellen Dosha-Typ abgestimmt wird.

Dem ayurvedischen Prinzip folgend hat Lara drei Basis Dosha-Sequenzen entwickelt, die sich in einem Baukasten-System, immer wieder je nach Ist-Situation des Praktizierenden erweitern und verändern lässt. Je nach Dosha-Sequenz gibt es kleine Abfolgenvariationen, zum Beispiel ob Rückbeugen vor den Bauchübungen kommen oder andersherum. Der Aufbau:

Sublimatio (hineinhorchen in den Ist Zustand),
Dynamic Flow (Sonnengrußvariationen),
Stehende Haltungen,
Arm Balancen,
Floor work (sitzende Haltungen),
Bauchübungen,
Rückbeugen,
Umkehrhaltungen,
Savasana.

In einem Wochenendworkshop bei Spirit Yoga Berlin hat Lara die Bird Sequenz für Vata Typen, Heroes Sequenz für Pitta Typen und die Lotus Mandala Sequenz für Kapha Typen den Workshopteilnehmern präsentiert.

Yogalehrerin und Gastautorin Friederike Meissner berichtet von Ihren Erfahrungen.

Da ich selber emotional ein Vata Typ bin, war ich auch gleich vor dem Workshop am meisten an der Bird Sequenz interessiert. Kritische Gedanken gab es schon meinerseits, da ich mich gefragt habe, ob die 'Dosherei' nicht so ähnlich funktioniert wie die Horoskope in den Tageszeitungen. Irgendwie passt jede Beschreibung auf jede Person.

Bird Sequenz

Die Bird Sequenz wird mit schamanischen Klängen begleitet. Diese Praxis ist gemacht, um sich freier zu fühlen, aber auch Körper und Geist zu kräftigen. Gefördert werden Balance und Konzentration, eine starke Bindung zur Mutter Erde, eine starke Körpermitte und eine offenes, freudvolles Herz. Unterstützt wird dies durch verschiedene Asanas wie zum Beispiel Krähe, Adler, Taube, die nach Vogelarten benannt sind. Der Höhepunkt der Sequenz ist bei der Königstaube. In dieser Taube offenbahrt sich für den Übenden ein tiefes Gefühl inneren Friedens.

Die ganze Sequenz wird sehr meditativ durchgeführt, damit man den für äußere Reize empfänglichen Vata Typen nicht noch mehr durcheinander bringt. In meiner Selbstbeobachtung fiel mir auf, dass ich konzentriert beim Atem und bei der Sequenz bleiben konnte, da durch die vielen Balanceübungen mein Geist auch genug zu tun hatte, um im hier und jetzt zu bleiben. Die Naturklänge ließen mich im Herzbereich weich werden. So konnte ich mit dem Atem noch tiefer in die Asanas hineinspüren. Nach der Stunde fühlte ich mich frei wie ein Vogel und voller Kraft.

© Laura Baumann in Eka Pada Raja Kapotasana

 

Heroes Sequenz

In der Heroes Sequenz macht man sich die 'hitzige' Konstitution des Pitta Typen zu nutze, in dem man durch schweißtreibende Asana-Abfolgen den Körper von innen reinigt. Die Abfolgen werden immer mit dem Ujjaji Atem kombiniert. Der Geist wird im Laufe der Stunde still und klar. Laut Lara ist ein 'Hero' gelassen und reagiert niemals reaktiv, sondern balanciert die Kräfte innerlich und äußerlich durch seine beschützende Haltung aus.

Der Workshopbezeichnung nahe liegend haben wir verschiedene Variationen der Heroes Sequenz geübt, um ganz geschmeidig jede Körperregion zu kräftigen. Da der Pitta Typ von Haus aus dynamisch ist, ist es wichtig, trotz fordernder Sequenzen ganz subtil in den Ausführungen zu bleiben. Einerseits das Fundament zu kreieren, andererseits feinfühlig dem eigenen Wesenskern näher zu kommen, so unser individuelles kreatives Potential zum Ausdruck zu bringen.

In diesem Workshop habe ich mich nicht so wohl gefühlt wie in der Bird Sequenz. In mir kam das Gefühl auf, dass man wie ein Pferd an den Zügeln festgehalten wird und nicht loskommt. Mein Vata-Ich wollte möglichst weiter von einer Verknotung zur anderen, dabei musste man hier ganz gelassen in einer Yogahaltung 'ausharren'. Mein Vata Geist fand dann Ablenkung in den sehr toll ausgewählten modernen, sphärischen Mantra-Gesängen.

Lotus Mandala Sequenz

Die Lotus Mandala Sequenz wurde kreiert, um dem modernen, gestressten Menschen, der sich durch ungesunde Ernährung oder schwieriger Lebenssituation, schwerfällig oder depressiv fühlt (im ayurvedischen ein klarer Fall von einer Kapha Konstitution), wieder mehr Lebendigkeit zu schenken.

Was bedeutet Lotus Mandala für Quantum Yoga? Die Mandalaform repräsentiert einen Kreis, welcher sich in seiner Kraft nach oben spiralförmig aufdreht, ganz so wie die Kundalinikraft der aufsteigenden Schlangenenergie in der yogischen Philosophie, den Veden. Passend zum Doshatypen haben Kaphatypen einen eher langsamen Bewegungungsmuster. Sobald ihre Energie wie eine Mandalaform in Schwung kommt, sind sie kaum zu bremsen. Der Lotus symbolisiert im Buddhismus die Reinheit eines Praktizierenden nach seiner langen Bemühung zur Überwindung der Lebenshindernisse. Der spirituelle Kampf ist der, sich von Identifikation zu lösen, die mit dem wahren Selbst nicht zu tun haben wie zB. die ganze Klaviatur der Emotionen, sozialer Status etc...

Der Workshop fing mit kräftigenden Übungen der Körpermitte an, gefolgt von mehreren Hüpf-Übungen. Beim spaßigen Hopsen sollte der Übende sich ganz von Regeln und Formen losmachen, um die folgenden Sequenzen mit mehr Leichtigkeit anzugehen. Hauptsächlich haben wir viele Variationen vom Lotussitz geübt. Der Lotussitz ist hervorragend geeignet als Meditationssitz. Man sitzt stabil, kann kaum umfallen und bleibt innerlich völlig wach. Allerdings wurde meine Vata Energie durch diese Sequenz sehr schläfrig und schwerfällig.

Fazit

Lag es an der sehr überzeugenden Didaktik Laras oder doch nur an ihrer Dosha-Konstitution, dass mich Quantum Yoga sofort überzeugte? Denn Lara ist ein Pitta Typ. Laut Konstitutionstabelle sind Pitta Typen gute Redner, arbeiten sehr systematisch, sind organisiert als auch unternehmenslustig und mutig. Toll war auch mitzuerleben, wie Lara ihre Methode lebt und ihre Praxis an sich verändernde Umstände anpasst: Am Vorabend des letzten Workshops hatte sie einen leichten Fahrradunfall. Entsprechend ihrer aktuellen physischen Konstitution entschied sie sich gegen die Praxis der herausfordernden Masterklasse "Capricius Sequenz" und praktizierte stattdessen viel Pranayama mit uns.

Sehr lustig empfand ich zu beobachten, daß man das Verhalten von einem anderen Dosha aufnimmt sobald konträr zum eigenen Dosha gearbeitet wird. Die Heroes Sequenz hat mich etwas innerlich aggressiv gemacht, die Lotus Mandala Sequenz eher schwerfällig und uninspiriert.

Für meinen Geschmack eine klasse Workshop-Reihe, um sich besser kennenzulernen, auf ein weiters Experiment mit sich selbst einzulassen und klaren Blickes voranzuschreiten. Quantum Yoga bietet dem Yogi/Yogini ein handfestes Werkzeug, wieder in eine intimere Einheit mit sich zu treten. In einem gesetzten Rahmen sich individuell kreativ auszutoben, um eine nährende Umgebung für sich und andere zu schaffen.

Friederike Meissner



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