Praxisbericht: Insight Yoga mit Sarah Powers

Sarah Powers stellte ihr Insight Yoga im Moveo Yoga Studio Berlin vor. Yogalehrer Detlev Alexander erlebte sie schon 2008 drei intensive Tage lang in Holland – und war begeistert. Hier sein Bericht von ihrem Workshop in der Hauptstadt.

Die Herangehensweise von Sarah Powers – Insight Yoga – ist eine innovative Verbindung von traditionellem Yoga, Buddhismus, Chinesischer Medizin und transpersonaler Psychologie. Ihre eigene Yogapraxis sowie ihr Unterrichtsstil sind von Ashtanga, Iyengar und dem Vini-Yoga geprägt. Soweit die Theorie. In der Praxis war ich, als ich Sarah Powers beim Workshop vor einem Jahr kennenlernte, sofort von ihrer Kompetenz als Yogalehrerin inspiriert und von ihrer menschlichen Wärme berührt.

Im Berliner Workshop erzählte sie zu Beginn von ihrer ersten Yogastunde. Dabei erlebte habe sie das Savansana (die Totenstellung) am Ende der Stunde unglaublich intensiv erlebt. Nach den vielen, teils anstrengenden Körperhaltungen habe sie in der Endentspannung eine bis dahin unbekannte entspannte Wachheit, Offenheit und Integration wahrgenommen. Nach der Stunde sei dieses Gefühl schnell verflogen, bis sie es in der nächsten Stunde wieder erleben konnte. Sie fragte sich, wie man denn dieses Gefühl als transformativen Prozess im Alltag erschließen könne? Sarah hat dies nach längerem Suchen in der buddhistischen Meditation gefunden. Dabei habe sie festgestellt, dass sie eigentlich nicht nach Buddhisten per se gesucht hätte, sondern nach Menschen, welche ihre eigene, Sarahs, Praxis verkörperten – und dies waren eben Buddhisten.

Nach einer kurzen aktiven (Yang-) Sequenz führte uns Sarah durch eine passive (Yin-) Sequenz. Der Fluss der aktiven Stellungen war langsam und präzise. Die passiven Stellungen haben wir gut fünf Minuten lang gehalten.

Die uns am besten bekannte Art, Yoga zu praktizieren, ist eine aktive Form. Dabei stärken und dehnen wir nicht nur die Muskeln unseres Körpers, sondern bewegen sie in einem pulsierenden Rhythmus. In dem von Sarah Powers vorgestellten Yin-Yoga dagegen adressieren wir in erster Linie Knochen, Gelenke, Bindegewebe sowie Energiebahnen, auch Meridiane oder Nadis genannt, sie zeichnen unseren Energiekörper aus. In diesem Workshop hatte Sarah uns unter anderem durch eine Nieren-Blasen-Meridian-Sequenz geführt. Wenn im Alltag Furcht oder Angst auftauchen, kann eine Nieren-Blasen-Meridian-Schwäche die Ursache sein. Auch Probleme im unteren Rücken können auf ein solches Ungleichgewicht hinweisen.

Yin-Yoga lässt sich mit Akupunktur ohne Nadeln vergleichen. Die Übunben sprechen dabei die jeweiligen Meridiane respektive Nadis an und nähren sie. Sie lösen Blockaden und Stress auf, und ermöglichen so den ungehinderten Fluss von Prana (Lebensenergie) durch unseren Körper.

Da man drei bis sechs Minuten in den Stellungen verweilt, dient Yin-Yoga als eine perfekte Trainingsart, die Prinzipien der Achtsamkeit zu lernen. Sarah hat in diesem Workshop die verbreitete Form der buddhistischen Achtsamkeitsmeditation Shamatha (ruhiges, friedvolles Verweilen) vorgestellt. In Shamatha dient der Atem als unser Fokus- und Referenzpunkt. Er ermöglicht uns im Moment zu verweilen, da der Atem nie vor zwei Wochen oder erst Übermorgen sein könne. Dabei hat sie uns erinnert, dass es nicht darum gehe, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Genausowenig gehe es darum, etwas zu unterdrücken. Gedanken, Empfindungen, Emotionen sollten wir – in den unterschiedlichen Stellungen – zu registrieren ohne ihnen zu folgen oder sie zu nähren. Für manche Praktizierende ist dies aber keine leichte Aufgabe. Rastlosigkeit und eine gewisse Unfähigkeit, mit unbequemen Situationen umzugehen, machte sich durchaus bei dem einen oder anderen Teilnehmer bemerkbar. Sie entstand vielleicht auch durch die etwas ungewohnte Aufforderung, bei den aufkommenden Widerständen mit unserer vollen Aufmerksamkeit zu verweilen. Natürlich hätten wir jederzeit aufspringen und den Raum verlassen können. Sarah sprach dabei von dem „geschützten Raum“, dem Yogastudio, wo wir Widerstände, Furcht und Frustration betrachten können, um zu beobachten, wie wir darauf reagieren.

Der Workshop endete mit einer kurzen Maitri-Meditation, in der man den Wunsch, „Mögen alle Wesen frei und glücklich sein“, sich selbst und allen anderen gegenüber aussendet. Zum Ende des Workshops war eine warme und offene Energie unter den fast vierzig TeilnehmerInnen spürbar.

Detlev Alexander

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