Philosophie heißt jetzt Weisheitsforschung

Was ist Weisheit? fragt sich heute Gerd Skobel in der Frankfurter Rundschau. Im Rahmen seiner Rezension des neuen Fotobands „Weisheit: 50 Porträts“ von Andrew Zuckerman und Alex Vlac gibt er einen interessanten Überblick über den aktuellen Stand der Erforschung von „Weisheitskompetenz“.

Philosophie heißt zwar wörtlich „Liebe zur Weisheit“, ist inzwischen aber eine akademische Denkdisziplin geworden, deren Nutzen für das Leben außerhalb der Universitäten gerne in Frage gestellt wird – zum Beispiel von Fernsehmoderator Gerd Skobel, der ja auch Philosophie studiert hat. Sie befinde sich heute in einer Art „Wachkoma“, schreibt er heute in der Frankfurter Rundschau. Der Autor des Buches „Weisheit: Über das, was uns fehlt“ hat sich gründlich in das Thema eingearbeitet und freut sich somit kompetent über das neue Coffeetable-Book mit Interviews und Fotos von 50 weisen Persönlichkeiten.

Seine Rezension ist allerdings eher ein Abriss über das, was Skobel selbst über Weisheit weiß. Sie befähige zu einem gelungenen Leben, schreibt er, ihre Frucht sei, „zufrieden und glücklich zu leben“. Dafür müsse der Mensch mindestens zehn von 33 „psychometrischen Indikatoren“ aufweisen, die er sich bis zum 25. Lebensjahr alle aneignen könne, wie der Berliner Weisheitsforscher Berliner Paul Baltes herausgefunden haben will.

Alter mache dagegen nicht automatisch weise, das sei ein verbreiteter Irrtum. Ein zweiter Irrtum besteht Skobels Darstellungen in der Auffassung, dass man Weisheit wie ein Naturtalent besitze, so wie manche Musiker mit einem „absoluten Gehör“ auf die Welt gekommen seien. Weisheit lässt sich, ja: muss man trainieren. Dafür gibt es viele Techniken, von der intellligenten Verarbeitung von Lebenskrisen bis zur Meditation. Und schließlich herrsche ein dritter populärer Irrtum: Weisheit sei etwas Esoterisches, man könne sie nicht wissenschaftlich erforschen. Falsch!, sagt Skobel, im Gegenteil: Weisheit behandeln viele Neurologen und Psychologen gerade als ganz „heißes“ Thema. Sie legen die Wertmaßstäbe für ein gelungenes Leben fest und untersuchen, was denjenigen auszeichnet, der ein solches offensichtlich führt.

Der Fotoband von Andrew Zuckerman, den Skobel hier positiv bewertet, gibt hierfür offenbar ein gutes Bespiel ab. Die meisten alte Menschen hätten wohl gelernt, mit vielen verschiedenen Menschen umzugehen, so Skobel. Diese Sicherheit wirke auch wie „Weisheit“, genüge aber nicht: „Wenn die wunderbaren Portraits und Interviews des Bandes von Andrew Zuckerman und Alex Vlack das Gegenteil zu beweisen scheinen, dann darf man bei allem Lob des Alters nicht vergessen, dass Menschen wie Nelson Mandela, der Dalai Lama, und Desmond Tutu, aber auch Clint Eastwood, Vaclav Havel, Lou Reed, Vanessa Redgrave oder Nadine Gordimer nicht einfach nur älter und deshalb auch weise geworden sind“, schreibt er. „Vielmehr sind sie durch vielerlei Krisen gegangen und haben sich mit den entscheidenden Fragen des Lebens befasst und sind dabei zu guten Lösungen gekommen. Erst in dieser Auseinandersetzuweing haben sie zur Weisheit gefunden.“

 

Preis: 
€49.95
Ausführung: 
Gebundene Ausgabe
Verlag: 
Knesebeck
ISBN/ASIN: 
978-3868731323