Interview: Fünf Fragen an WYD-Organisatorin Samira Radsi

Eigentlich ist Samira Radsi Filmregisseurin, kürzlich kam ihr prämierter Film „Anduni – Fremde Heimat“ in die Kinos. In der Yogaszene kennt man sie dagegen als rührige Organisatorin des alljährlichen World Yoga Day (WYD). Am 26. Februar wird wieder für einen guten Zweck geyogt – ein guter Anlass für ein Gespräch mit Samira über ihr Engagment, Charity Yoga und Reporter ohne Grenzen.

ys: Du organisierst den World Yoga Day für den deutschen Raum jetzt schon seit sechs Jahren. Wie kam es dazu?
Es ist tatsächlich so wie auf der Webseite beschrieben: Nach einem Nachtdreh saß ich im Café Einstein (in Berlin, Anm. d. Red.) und war total überdreht und übermüdet. Und ganz plötzlich war diese Idee da – ohne Vorwarnung. Die war so einfach und klar, dass ich dachte: Das musst du machen!

ys: Übst du auch selbst Yoga?
Angefangen mit Yoga habe ich 1995 im Centre for Yoga on Larchmont, in Los Angeles. Dort habe ich in den Neunzigern gelebt. Eigentlich war ich eher so ein Aerobic Kind. Bin immer viel in Fitnesscenter gegangen, in so „Zappelkurse“. Meine Mitbewohnerin Vicky kam dann auf einmal mit einem Yoga Gutschein. Ich habe gesagt: „Auf keinen Fall, ist mir zu ruhig!“ Na, und dann habe ich es doch mal probiert und war von der ersten Stunde an „hooked“, wie die Amerikaner sagen. Ich glaube, es gibt wenig in meinem Leben, was ich mit solcher Konsequenz und Begeisterung verfolgt habe. Ich bin kein Freund von fanatischen Anhängerschaften, aber es gibt nicht wenig Tage, an denen ich denke: „Was würde ich nur ohne Yoga machen“?

ys: Charity Yoga liegt gerade ziemlich im Trend. Bekommst Du das durch die Anmeldungen auch zu spüren?
Nein. Wir sind nur drei Leute, die das ohne großen Ehrgeiz machen. Ohne „grossen Ehrgeiz” heißt: Wir sind überzeugt von der Idee und finden klasse, wenn viele mitmachen. Aber wenn morgen keiner mehr mitmacht, ist das auch in Ordnung. Wir nehmen das ziemlich lässig. Die Resonanz ist entsprechend. Mal mehr, mal weniger, aber alle finde die Idee gut und sind immer wieder bereit zu unterstützen. Wir sagen ja auch immer: Es ist ok, wenn Leute kein Geld spenden. Das Wichtige ist der Spirit und der kostet nix. Ich glaube, das geht sich ganz gut aus.

ys: Die Spenden gehen jedes Jahr an eine andere Organisation: 2011 waren es zum Beispiel Ärzte ohne Grenzen. 2012 sind es Reporter ohne Grenzen. Was war der Hintergrund für diese Organisation?
Mein Vater ist Tunesier und meine Schwester arbeitete Anfang des Jahres in Tunis beim Goethe Institut. Dadurch habe ich den arabischen Frühling hautnah mitbekommen und mir ist noch einmal deutlicher klar geworden, dass so etwas ohne guten Journalismus nicht geht. Selbst ich wusste viele Dinge über das Ben Ali Regime nicht, die damals bekannt wurden. Man denkt immer erstmal an Kinder, die nichts zu essen und kein Dach über den Kopf haben. Aber ohne guten, mutigen Journalismus wären wir noch ahnungsloser.
Als ich mit dem WYD begonnen habe, überlegte ich genau: Wer braucht meine Hilfe am nötigsten? Ich bin bei den Menschenrechten hängen geblieben, weil sie für mich die stärkste Verbindung zu den Werten des Yoga sind. Hunger und Not zu leiden, ist grausam. Mehr kann ich gar nicht dazu sagen, weil ich es Gott sei Dank nie erleiden musste. Aber ein Leben ohne Menschenrechte ist ein Leben ohne Würde und in meiner Vorstellung empfinde ich das als schlimmer.

ys: Wie funktioniert das genau: Wer muss was machen, um am WYD teilzunehmen?
Ganz einfach: www.world-yoga-day.net anklicken, dann auf "Join us" und euch eintragen. Am 26. Februar gebt ihr eine Yogaklasse auf Spendenbasis von 11 bis 13 Uhr. Die Spenden überweist ihr auf eines der Konten, die auf unserer Webseite angegeben sind. Gerne könnt ihr auch ein Feedback auf und ein Foto an uns schicken. Das veröffentlichen wir auf unserer Website. Übrigens: Auf Facebook gibt es auch eine World Yoga Day Seite mit Feedback und News.

ys: Vielen Dank für das Gespräch.

tis

Zum Thema

yogaservice.de war bereits 2011 Medienpartner des WYD. 

Zur Internetseite des WYD.

Übersicht der bisher teilnehmenden Yogaschulen.

Die Spenden gehen 2012 an die Organisation Reporter ohne Grenzen: Zur offiziellen Website

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