Yogawege: Silvio Fritzsche, Yogareiseveranstalter

Yogareisen bieten viel Erholung in kurzer Zeit. Immer mehr Lehrer erweitern ihr Kursangebot im Yoga-Wochenenden und - Reisen. Unter ihnen kann Silvio Fritzsche allerdings schon als alter Hase gelten. Der Yogalehrer (BDY, Anusara) und Reiseleiter gehört mit seinen „Yogatraumreisen“ zu den ersten professionellen Veranstaltern der deutschen Szene. Doris Iding verrät er im Interview für yogaservice.de, worauf es dabei ankommt.

ys: Wie definierst du Yoga?
Yoga kann alles sein, wirklich alles. Für mich ist Yoga eine Reise zu mir selbst. Und diese Reise wird mich hoffentlich mein ganzes Leben begleiten. Durch Yoga habe ich gelernt, gelassener auf Veränderungen zu reagieren, Ruhe zu erfahren und ich fühle mich in „meinem“ Körper wieder wohl. Yoga ist ein ständiger Begleiter geworden, mein kleiner Kofferträger auf einer großen Reise. Dieser Koffer wird immer leichter, weil man immer weniger braucht und der Ballast durch die regelmäßige Praxis abnimmt!

ys: Was hat dich dazu gebracht, Yogareisen zu veranstalten?
Ich hatte nie die Absicht, Yogareisen zu organisieren. Nach Abschluss meiner ersten Yogalehrer-Ausbildung im Jahr 2002 war ich sehr neugierig und wollte Yoga in seiner ganzen Vielfalt kennenlernen. Ich reiste deshalb als Schüler an viele faszinierende Plätze mit wunderbaren Lehrern, zum Beispiel nach Goa, in die Toskana und mehrmals nach Kreta. Schnell merkte ich, dass man auf einer Yogareise einen viel tieferen Zugang zum Yoga bekommt.  Der Mix aus Gemeinschaft mit netten Menschen, gutem Essen, viel Yoga und dem Nixtun bereitet einfach nur Freude.

Mein Schlüsselerlebnis allerdings hatte ich 2003 auf einer Jivamukti-Yogareise. Eine sehr intensive und schöne Yogawoche mit Patrick Broome war zu Ende und wir hatten Platz im Zubringerbus zum Flieger genommen. Patrick saß in seinen Badeshorts, Flip-Flops und die Yogamatte über der Schulter hängend locker im Bus und wir lachten und redeten über unsere spannende Yogazeit auf Kreta. Er hat im Urlaub viele Menschen mit Yoga berührt, hatte selbst eine tolle Zeit, war entspannt und hatte freundliche Menschen um sich. Wow!! Diese Leichtigkeit und Freiheit haben mich sehr beeindruckt und das wollte ich auch. Ein Jahr später veranstalteten wir unsere erste Yogareise nach Ibiza. Und weil alles so traumhaft schön war, nannten wir uns Yogatraumreise.

ys: Nach welchen Kriterien suchst Du die Plätze aus?
Jeder Platz sollte das gewisse Etwas haben und optimale Rahmenbedingungen für eine Yogawoche bieten. Alle unsere Gästehäuser werden privat betrieben und die Gastgeber sind meistens auch Yogis beziehungsweise spirituell interessierte Menschen, die ihren Traum eines eigenen Yogaplatzes umgesetzt haben. Wichtig sind uns viel Natur, Ruhe, Abgeschiedenheit, gutes vegetarisches, biologisches Essen und offene freudige Gastgeber. Klasse statt Masse, Einzigartigkeit statt Einheitsbrei und die Liebe zum Detail machen einen schönen Platz aus. Ankommen, sich inspirieren lassen und wie zu Hause fühlen sind dann gut möglich. Wir haben in der Toskana, Kärnten, Ibiza, Goa, an der Müritz und auf Rügen wunderschöne Traumplätze für unsere Yogatraumreisen gefunden.


Erholsame Ruhe zwischen den Yogaklassen im Convento in der Toskana (Italien), wo Silvio Fritzsche schon mehrere Yogaurlaube
veranstaltete. © yogatraumreise.de

ys: Warum nimmt der Wunsch nach einer Yogapraxis im Urlaub deines Erachtens zu?
Unser Alltag besteht größtenteils aus Terminen, Verpflichtungen, Leistungsdruck, Lärm und dem Druck ständig etwas Tun zu müssen. Jeder Mensch braucht seine eigene kleine Auszeit, um seine Akkus wieder aufzuladen. Im Yogaurlaub lassen wir den stressigen Alltag bewusst hinter uns und haben Zeit, uns selbst wieder näher zu kommen und uns daran zu erinnern, was wir eigentlich im Leben möchten. Oft üben wir in einer Woche bis zu zehn Mal Yoga. Diese Regelmäßigkeit und Intensität lassen uns innerlich aufblühen, schenken uns innere Kraft und Gelassenheit. Für die eigene Yogapraxis ist so eine Reise ein wichtiger Meilenstein, weil wir Yoga in seiner Vielfalt und Tiefe erfahren können. Das schaffen wir nicht, wenn wir zu Hause nur einmal pro Woche ins Yogastudio gehen.

Oft kennen uns die Teilnehmer vorher aussschließlich aus dem Internet und haben die Reise wegen der schönen Bilder und Reiseberichte gebucht. Inzwischen sind viele von ihnen zu „Wiederholungstätern“ geworden, verreisen mit uns jedes Jahr und entdecken neue Yoga - Reiseziele. Das bestätigt uns in dem, was wir tun. Nach der letzte Andalusien-Reise haben wir unter anderem dieses schöne Feedback erhalten: „Das war mein erster Urlaub seit 50 Jahren ohne Radio, Fernsehen und Zeitung. Und ich habe mich noch nie so gut gefühlt wie nach dieser Reise.“ Rolf G., 60 Jahre

ys: Welchen Anspruch hast du an deine Reisen?
„Jeder kann – niemand muss.“ Wir möchten jeden Teilnehmer für Yoga begeistern, neue Impulse für die eigene Praxis geben und einen schönen (Yoga)-Urlaub bieten, an den er sich noch lange erinnert. Unsere Reisen sollen ermutigen, notwendige Veränderungen im Leben anzugehen, Leichtigkeit und Freude im Herzen auch im Alltag entstehen zu lassen.

Doris Iding

Zum Thema

Mehr Informationen zu Slivio und seinen Reisen auf yogatraumreise.de

Slivio betreibt auch das Blog Yogabasics.de

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