Interview: Qbi über Musik im Yogaunterricht

Musik beim Yogaüben – die einen lehnen es ab, für die anderen ist es eine wunderbare Bereicherung. Zu ihnen gehört die bekannte deutsche Yogalehrerin Andrea Qbi Kubasch in Hamburg. Die ehemalige Musikmanagerin hat aber auch ein besonderes Verhältnis zur Musik. Sie hat uns eine Playlist zusammengestellt und sprach mit uns über Musik im Yogaunterricht, Dave Stringer und Lady Gaga.

ys: Wie definierst du Yoga?
Yoga ist die Wissenschaft vom Leben selbst. Es gibt dafür keine wirkliche Anleitung. Alles was wir im Yoga tun, ist eine Praxis, es ist eine „Entwicklung“ im besten Wortsinne. Immer einen Schritt nach dem anderen. Das Erkennen und Loslassen von eigenen Denk- und Verhaltensmustern bringt uns näher an ein unkompliziertes und damit glückliches Leben. Die Krone allen Yogas ist die Schlichtheit. Und die erkennt man, wenn „das Licht angeht“ und man besser sehen kann.

ys: Warum unterrichtest du Power-Yoga – was gefällt dir an diesem Stil?
Der Begründer von Power-Yoga, unser Lehrer und Freund Bryan Kest, ist eine der fortschrittlichsten und glaubhaftesten Yogapersönlichkeiten, die ich kenne. Seine Teachings sind einfach und inhaltsreich zugleich. Die Essenz – den Punkt zwischen zu viel und nicht genug – selbst zu finden, hilft Menschen aus unserem Kulturkreis, sich aus dem Hamsterrad des Alltags zu lösen und näher an den eigenen Wesenskern zu gelangen. Die körperliche Praxis in unseren Schulen ist moderat und vermeidet alles extreme. In den Meditationen werden Eigenschaften wie Dankbarkeit und Heilung gestärkt. Das Zusammengenommen ergibt eine abgerundete Yogapraxis für die Menschen von heute.

ys: Welche Rolle spielt Musik in deiner Yogapraxis und Unterricht?
Leben ist Schwingung, Musik ist Schwingung: Unsere ganze Welt, unser ganzes Universum schwingt. Diese Schwingung erzeugt Wellen, die uns erfassen und beeinflussen. Einige hörbare Frequenzen erreichen unser Ohr und wir nehmen sie als Geräusche oder Musik wahr. Selbst in scheinbar festen Körpern, wie Steinen, vibrieren die Atomkerne und erzeugen Schwingungen, die wir feinstofflich wahrnehmen. Auch unsere Erde schwingt auf einer bestimmten Frequenz, im Allgemeinen wird ihr die Frequenz 136,10 Hz zugeordnet. Auf der Tonleiter entspricht das in etwa dem Cis. Berechnet wird sie aus dem Zeitraum, den die Erde benötigt, um einmal die Sonne zu umkreisen. Man spricht deshalb auch vom Jahreston.

Auch unser eigener Körper ist ständig in Bewegung und in einem Rhythmus, auch wenn wir still sitzen und uns vermeintlich nicht bewegen. Das Herz schlägt, Blut fließt und der Atem strömt ein und aus. Im Yoga streben wir nach Vereinigung, und die Synchronisation verschiedener Schwingungen verschiedener Menschen zu Beginn einer Yogaklasse, zum Beispiel durch ein gemeinsam gesungenes Om oder Aum, kann ein Teil dieser Praxis sein. In unserem Unterricht und auch in meiner eigenen Praxis spielt Musik und Sound deswegen eine große Rolle. Man kann damit direkt Emotionen ansteuern, es ist eine weitere Ebene, auf der sich der Schüler aber auch der Lehrer selber erfahren kann. Sie kann ebenso aufheiternd und fordernd sein wie zur Beruhigung und Entspannung beitragen. Bei Power Yoga Germany haben unsere Lehrer Freude daran, dass Übende, Lehrer und Musik zu einer Einheit werden und sich in einem Tanz der Energien bewegen und atmen. Eine 30-minütige Gongsequenz, ein mehrere Minuten langes Om oder eine fein ausgewählte Playlist schaffen einfach eine besondere Atmosphäre.

ys: Wie wählst du die Songs für deine Yogaklassen aus?
Die Musik und die Sounds meiner Yogaklassen wähle ich stringent nach der Praxis aus, die ich thematisch unterrichte. Es ist keinesfalls so, dass nur ein Worldmusic- oder Ambient-Chill-Out-Sampler im Hintergrund läuft. Die Dramatik in der Klasse wird durch Musik unterstützt und mit aufgebaut. Wenn ich eine Klasse mit dem Thema Muladhara-Chakra unterrichte, findet man in der Playlist viele erdige Beats und rhythmische Trommeln. Wenn das Element Wasser thematisiert wird, sind fliessende Töne und weiche Musik zu hören. So unterstütze ich die Gefühlsebene, die angesprochen werden soll. Der Kreativität sind absolut keine Grenzen gesetzt. Wenn ich Klassen vorbereite, nehme ich mir wöchentlich mehrere Stunden Zeit, um die Musik mit der Bewegung quasi zu inhalieren und die Emotionen, die freigesetzt werden zu spüren. Ich genieße täglich Musik wie eine gute Flasche Wein, ebenso ist es mit meiner eigenen Yogapraxis. Musik läuft bei mir nie im Hintergrund oder im Radio, sondern ist – sobald ich die Play-Taste drücke – bewusst ausgewählt.

ys: Wo liegen die Grenzen beim Einsatz von Musik im Yogaunterricht? Gehen Lady Gaga und Dave Stringer wirklich zusammen?
Die Grenzen liegen dort, wo der Schüler in der Klasse zu stark abgelenkt wird und die Musik zur Konkurrenz für den Lehrer wird. Alle Musik, die viel Text hat und gespielt wird, während der Lehrer erklärt, ist im Unterricht eher störend und ablenkend. Lady Gaga und Dave Stringer gehen schon theoretisch in einer Playlist zusammen, allerdings fein abgestimmt. Generell gilt es, nicht nur eigene Lieblingstitel auszuwählen oder All-Time-Favorites aus den Top 100 der Yogamusik zu wählen. Vielmehr ist es wichtig, eine Leidenschaft zu der Musik aufzubauen und darüber hinaus nachzudenken, wo will ich mit dem Song hin, wenn ich ihn in der Klasse spiele: Wie kann ich mit dem Titel eine harmonische Einheit im Unterricht bilden?

ys: Du löst dich hier von deinem Lehrer: Bryan Kest benutzt keine Musik im Unterricht.
Musik ist ein Stilmittel von vielen, den Yogaunterricht zu gestalten. Andere sind die Ausrichtung der Schüler im Raum, das Licht, die Temperatur, der Geruch, die Uhrzeit und vieles mehr. Und für alle diese Aspekte gibt es ein Pro und Kontra. Wenn man keine emotionale Verbindung zur Musik im Yogaunterricht aufbauen kann, sollte man auch keine Playlisten einsetzen. Auch ist es keine gute Idee, Musik zu spielen, nur weil viele andere es auch im Unterricht tun. Es ist wunderschön nur den eigenen Atem als Musik im Unterricht klingen zu lassen. Ich glaube, das Yogapraxis immer in einem kulturellen Kontext stattfinden sollte. Und in unserer Umgebung gibt es Musik. Unsere Schüler lieben es, denn es berührt sie und entmystifiziert Yoga gleichzeitig. Sie lernen den Moment zu erleben.

ys: Beobachtest du, seit du unterrichtest, einen bestimmten Trend bei der Art, Yoga mit Musik zu verbinden?
Nein, jeder Yogalehrer hat seine eigenen Vorlieben, das Spektrum ist in alle Richtungen offen. Ausgewogene Playlisten zu gestalten, die Schüler energetisch durch den Unterricht tragen, ist eine Kunst, die genauso erlernt und geübt werden muss, wie die Yogapraxis selbst.

ys: Herzlichen Dank für das Gespräch.

mho/tis

 

 

 

Leider nicht auf iTunes verfügbar:
Lovebreak (Original Mix) 6:14 / Tube & Berger
Policy of Truth (Francois Kevorkian 1990) 8:00 / Depeche Mode  

 

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Qbi produzierte mit Brigitte die DVD Power Yoga – zur Besprechung auf yogaservice.de

Qbi´s Partner Dirk Bennewitz unterrichtet ebenfalls Power-Yoga und schrieb das Buch „Männer Yoga” - zur Besprechung auf yogaservice.de

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