Interview: Fünf Fragen an Lucia Nirmala Schmidt

Lucia Nirmala Schmidt verbindet man eigentlich mit einem inzwischen recht bekannten Fusion-Stil: Chi-Yoga – mit Chi (Qi) aus der chinesischen Kultur für Energie oder Atem, in Verbindung mit dem Konzept der Meditation in Bewegung moderner Vinyasa-Flow-Linien. So leicht aber lässt sich die Schweizerin nicht in eine Schublade packen. Tanja Gradl sprach für yogaservice.de mit über ihr über ihren neuen Fokus: den Change Yoga.

Vor genau 15 Jahren gründete Lucia Nirmala Schmidt in Zürich das Ausbildungsinstitut MindBodySpirit–Health Concept. Ein Versuch, sie und ihren Yoga zu fassen, wäre all ihre Ausbildungen, Erfahrungen und Einflüsse aufzuzählen: Bewegungspädagogin mit Fortbildungen in Franklin-Methode, Spiraldynamik, Feldenkrais und Traditionelle Chinesische Medizin, Yogalehrerin BDY/EYU, Atemtherapeutin und Beraterin für Psychosomatische Medizin nach Ruediger Dahlke. Pilates, FlowTonic, PowerChi, TriloChi, Taj Ji, Qi Gong, MindBody StepDance 3/4, außerdem zeitgenössischer Tanz, Tantra und Workshops bei Shiva Rea, Anna Trökes, Kali Ray, Seane Corn, Doris Echlin, Shandor Remete, Swami Shivananda Saraswati (Rom). „Ich möchte euch ermutigen, keinen Regeln und Theorien unreflektiert zu folgen, nur weil sie alt überliefert sind, sondern vielmehr euren inneren Dialog, eure Intuition zu fördern", ruft sie unseren Lesern aus eigener Erfahrung zu. „Ich möchte uns Frauen Mut machen, der inneren Stimme zu vertrauen und ihr Raum zu geben, um gehört zu werden.“ Hier das Gespräch.

ys: Wie definierst du Yoga?
Für mich ist Yoga jeder Prozess, durch den sich ein Mensch so wandelt, dass sein Geist mehr Weite und er selbst mehr Zufriedenheit, Gelassenheit und Glück findet. Es bedeutet, seinem Leben eine klare Ausrichtung zu geben, so dass man aufhört, sich in dem, was aussen ist, zu verlieren.

ys: Was ist Dein Anliegen im Yoga-Unterricht?
Eines meiner Ziele ist es, die Essenz der zeitlosen Yoga-Lehren in einer zeitgenössischen, alltagsnahen und für alle in einer verständlichen Sprache weiterzugeben. Durch meinen Yoga-Unterricht soll ein Raum entstehen, der es den Teilnehmerinnen erlaubt, sich selbst darin zu entfalten, ihre eigene Praxis und ihr Verständnis von Yoga, von sich selbst und der sie umgebenden Welt zu vertiefen.

ys: Mit ChangeYoga hast Du eine Übungsreihe für Frauen in den Wechseljahren entwickelt. Du sagst, dass Asanas nicht direkt auf eine bestimmte Drüse wirken und die Ausschüttung bestimmter Hormons bewirken. Wie funktioniert ChangeYoga dann?
Genau! Kein Asana wirkt direkt auf eine bestimmte Drüse oder auf die Ausschüttung eines bestimmten Hormons. Die Vorstellung, mit einer bestimmten Übung direkten Einfluss auf den Hormonstoffwechsel einer Frau in den Wechseljahren zu nehmen, ist einfach lächerlich angesichts der mit den Wechseljahren verbundenen komplexen individuellen Prozesse und hormonellen Veränderungen.

Weil der Yoga als Übungssystem gleichermassen Körper, Atem, Gedanken und Gefühle anspricht, sind die wohltuenden und transformierenden Wirkungen auf allen Ebenen zu spüren. Ein sorgfältig zusammengestelltes Übungsprogramm wirkt nicht nur auf Muskeln und Gelenke, sondern auf alle regulativen Systeme im Körper, wie zum Beispiel auf das Nerven-, Hormon- und Immunsystem, die alle miteinander vernetzt sind.

ys: Die Wechseljahre sind ja nicht nur geprägt durch Hormonschwankungen. Es beginnt auch eine ganz neue Lebensphase. Wie kann Yoga hier unterstützen?
In den Wechseljahren zeigt der Name, was Programm ist: nämlich Wechsel und Wandel. In dieser Lebensphase findet ein Transformationsprozess statt, der je nach Intensität starke körperliche, geistige, spirituelle und emotionale Schwankungen auslösen kann. In dieser Zeit des Wandels können sich Kräfte explosionsartig freisetzen. Diese Intensität bringt oftmals die körperlichen, geistigen und seelischen Strukturen durcheinander. Die Wechseljahre sind eine Zeit der Turbulenzen und des Aufbruchs zu einem neuen Verständnis des Frauseins und zu mehr Freiheit. Das Ende der biologischen Fruchtbarkeit kann ein Wandel zu einer neuen schöpferischen Kraft sein.

Weil es Zeit braucht, alte Bilder, Vorstellungen und Werte loszulassen und das Neue für sich zu definieren und zu akzeptieren, reagieren wir oft dünnhäutiger und lassen uns leicht aus unserer Mitte bringen. Umso wichtiger ist gerade in dieser Übergangsphase eine Übungspraxis, die uns in unsere Mitte führt und sie stärkt. Übungen des Change-Yoga unterstützen den weiblichen Körper, sich besser an die neue hormonelle Situation anzupassen. Sie helfen wenig förderliche Gedanken und Gefühle zu erkennen und zu transformieren, so dass Frau sich wieder wohl in ihrer Haut fühlt. Sie können so in eine neue Leichtigkeit und Freiheit führen.

 

Lucia Nirmala Schmidt zeigt Chi-Yoga. Die Musik stammt von Daniel Rizzo, Regie: Lorenz Bohler © body mind spirit

Tanja Gradl

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