Green-Yoga: Gegenkultur der Stille

Lärm nervt, er ist das Gegenteil von der yogischen Liebe zur Stille. Akustische Umweltverschmutzung wirkt besonders subtil auf unser Inneres. Wir sollten deshalb möglichst bewusst auswählen, was wir an unserer Ohren heranlassen. Green-Yogi Hardy Fürch widmet sich in dieser Folge unserer Green-Yoga-Serie dem Umgang mit Geräuschquellen.

Wir merken es meist erst so richtig beim Ausflug ins Grüne, wenn sich plötzlich wohltuende Stille breitmacht; keine Autos, kein donnernden Flugzeuge, ratternden Straßenbahnen, pfeifende Staubsauer, schüttelnde Waschmaschinen im Schleudergang. Zwar hat sich längst herum gesprochen, dass Lärm nicht gut für unsere Gesundheit ist; Erfinder und Hersteller entwickelten auch schon Flüsterreifen und Lärmschutzwände. Aber das Umweltbundesamt ist trotzdem alarmiert, denn unser Nervenkostüm leidet weiterhin unter Dauerbeschallung – und wir sind selbst schuld daran.

Es gibt nur noch wenige Orte, an dem keine Musik gespielt wird: Beim Einkaufen, im Büro, beim Zahnarzt, im Auto, in Küche und Wohnzimmer, in manchen Yoga-Klassen – überall Musik.  Fachleute statten Räume mit „Klang-Tapeten“ aus, wie sie das nennen, um Kunden zu „entspannen“ – und zum Kaufen zu animieren. Musiker selbst fordern schon mehr „akustische Ökologie“, denn wir hören immer mehr, und bekommen nichts davon mit.

Dabei wirkt Musik  sehr stark auf die Psyche des Menschen, und zwar unmittelbar. Mit ihr kann man sich unvermittelt in Stimmung bringen (lassen), diese Erfahrung hat schon jeder gemacht. Du bist damit nicht nur, was du „isst“ für den grobstofflichen Körper; sondern du fühlst auch, was du hörst. Damit sind unsere Ohren auch ein – zumeist ungeschütztes – Einfallstor für akustische Manipulationen. Ein „Yoga des Hörens“ bedeutet deshalb insbesondere große Achtsamkeit und Bewusstheit demgegenüber, was in unsere Ohren dringt.

Wenn wir das Ziel-Guna Sattva, also Harmonie, Klarheit und Weite, zugrunde legen, dann haben wir schon den wichtigsten yogischen Filter. Mantras erfüllen in der Regel dieses Kriterium. Auch die Klassiker Bach, Beethoven oder Mozart werden zumeist als tief beseelt und harmonisch wahrgenommen. Das scheinen auch die Versuche des japanischen Wasserforschers Masaru Emoto zu zeigen: Er beschallte Wasserkristalle mit Musik. Die  Klänge von Johann Sebastian Bach führten zu harmonischen, schönen Formen, hingegen wirken die Kristalle bei Heavy Metal ziemlich kaputt. Das soll kein Argument gegen Rockmusik sein – manchmal erfüllt sie durchaus ihren Zweck, sie ist Rajas, antreibend, dynamisch und hat deshalb ihre Berechtigung. Doch sattvisch ist etwas anderes.

Auch zeigen Emotos Forschungen, dass ein wahrhaftig gesprochenes „Ich liebe dich“ auf geheimnisvolle Weise positiv auf Wasser und dessen Kristallbildung wirkt. Wenn Emoto recht hat und man bedenkt, dass der Mensch zum größten Teil aus Wasser besteht, dann kann man dessen Forschungen und das, was wir hören und aussprechen, gar nicht ernst genug nehmen.

„Nada brahma“, sagten die alten Yogis, die Welt ist Klang. Der Leitsatz wurde Titel eines Buches des bekannte (Jazz-) Musikjournalisten Joachim-Ernst Berendt. Klang im Sinne von Schwingung. Die Yogis entwickelten aus dieser Erkenntnis das Mantra, ausgehend vom einfachen Ur-Mantra, dem Om. Auch der christliche Schöpfungsmythos beginnt mit Klang, in diesem Fall jenem der Stimme: „Am Anfang war das Wort“, heißt es in der Bibel. Klang manifestiert Realität.

Wir sollten demnach immer achtsam sein, was wir mithilfe unseres Kehlkopfes „anstimmen“. Und uns, wo immer möglich, der akustischen Manipulation entziehen! Die schönste Musik ist die Stille. Eine Kultur der Stille kann ein Gegenpol zum lauten Mainstream sein. Meditiere in Stille. Das ist sehr sattvisch und wird dich verändern. Lausche dabei in den schönsten und sattvischsten Klangraum, der jeden Ton enthält: in die unvergleichliche Weite und Harmonie der Stille.

Hardy Fürch

Artikelbild: An wenigen Orten trifft man noch auf wohltuende Stille. © Kecko/Flickr

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