Green-Yoga: Yoga als Geschmackssache

Es könnte so einfach sein: Was schmeckt, tut unserem Körper gut; ekliges Essen dagegen ist ungesund. Doch darauf ist heutzutage nicht immer Verlass – es sei denn, man findet zur Natur seines Geschmackssinns zurück. Yoga hilft dabei, wie Yogalehrer Hardy Fürch in dieser Folge unserer Green-Yoga-Serie erläutert.

Die Yogaphilosophie unterscheidet zwischen verschiedenen Körperhüllen, den Koshas. Der grobstoffliche Körper, Annamaya-Kosha, genannt, ist aus Fleisch und Blut – und braucht auch grobstoffliche Nahrung. Er besteht sogar aus dem, was wir essen. Überspitzt formuliert führt also Junk Food zu einem Junk body. Dieser Gedanke wird für Yogis, vor allem für hart übende Hatha-Yogis, früher oder später unerträglich.

Letztendlich lehrte schon der große Arzt der griechischen Antike, Hippokrates, dass Nahrungsmittel immer auch Heilmittel sein sollten. Jeder, der auch einmal Heilfasten oder ähnliches geübt hat, kann bestätigen, dass der Geschmackssinn danach ungeheuer intensiv ist und bestimmte ungesunde Dinge nicht mehr so gut schmecken wie zuvor. Der Geschmacks-Kompass funktioniert wieder besser. Auch Yoga sensibilisert uns für unsere naturlichen Gaben. So hat uns die Natur den Geschmackssinn mitgegeben, damit wir herauszufinden, welche Ernährung gut und welche schlecht ist. 

Von wildlebenden Tieren weiß man, dass sie im Falle einer Erkrankung bestimmte Kräuter fressen und sich damit heilen. Diese Fähigkeit ist vielen Erwachsenen durch die Hochzivilisation verloren gegangen. Immerhin hat man in Langzeitstudien festgestellt, dass Kindergartenkinder Krankheiten oder Mängel instinktiv durch die richtigen Lebensmittel kurieren – wenn man sie lässt. Und sie nicht schon früh durch industrielle Nahrung oder raffinierten Zucker etwa geschmacksabhängig gemacht worden sind. Heißt also: Den Großen steht der „rechte“ Geschmack grundsätzlich zur Verfügung; er ist nur meist verschüttet oder überlagert.

Sensibilisieren wir den Gaumen durch Fasten oder ein geschultes Körperbewusstsein durch Yoga, befreien wir uns von diesen Überlagerungen und finden auch ohne (fragliche) Deklaration heraus, welche Nahrungsmittel voll von künstlichen Aroma-, Füll-, Farb- und Konservierungsstoffen sind. Allein von den künstliche Aromastoffen sind 500 zugelassen. Wir entkommen dem Geschmacksdiktat der Industrieware und wenden uns dem Echten und Authentischen zu:  Knackig-frisches Bio-Gemüse vom regionalen Bauern oder pestizidfreier Wein von gesunden Böden ohne chemische Geschmacksmanipulation – statt Gammelfleisch, Analog-Käse-Pizza oder Pestizid-Paprika. Die meisten Spitzenköche kochen nicht ohne Grund mit Bio-Ware.

Das alles ist nicht nur gesund, sondern gleichfalls sattvisch. Sattva ist, wie in der vergangenen Green-Yoga-Folge besprochen, ein Energiezustand der Leichtigkeit, des Lichten und der Harmonie. Untersuchungen des deutschen Physikers Fritz-Albert Popp mit Fluoreszens-Spektroskopie ergaben, dass Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau oder Öko-Eier viel mehr Bio-Photonen höherer Ordnung ausstrahlen als konventionelle Ware aus der Agrar-Industrie. Sie enhalten also sozusagen mehr Licht enthalten.

Der Aufbau eines gereinigten yogischen leuchtenden Körpers beginnt daher mit einer sattvischen Ernährung: möglichst leichte, mineral- und vitaminreiche frische Kost, die zudem ganz bewusst und ohne Hast eingenommen werden sollte. Auch sollte der Magen nur zu Dreiviertel gefüllt werden, sagt die Hatha-Yoga-Pradipika. Und wirklich achtsames Hin-Schmecken kann durchaus auch Form von Meditation sein. Je achtsamer und „lichtvoller“ wir uns ernähren, desto dankbarer und lebendiger wird unser Körper reagieren.

Hardy Fürch

Artikelbild: Gewürze © HLPhoto/Fotolia

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