Deutsches Yoga Forum 5 09. Das steht drin

Sechs Mal im Jahr erscheint das „Deutsche Yoga Forum“, die Zeitschrift des vor über 40 Jahren gegründeten Berufsverbandes der Yogalehrenden in Deutschland, kurz: BDY. Schwerpunktthema der gerade erschienenen Ausgabe 5 ist das Verhältnis zwischen Yoga und Religion. Außerdem geht es um Reinigung (sauca), und zwei schöne Texte beschreiben Yoga im Nazi-Reich und im Sozialismus.

Diese Zeitschrift ist nicht laut, dafür aber gründlich. Fast alle Autoren haben einen Doktortitel, unterrichten seit Jahrzehnten Yoga und kennen die deutsche Yogaszene aus ihren suchenden Anfängen. Wer sich von ihrem Ernst und dem zurückhaltenden Titelbild nicht abschrecken lässt, findet hier immer wieder Perlen, die das Verständnis von Yoga erweitern können.

Die Beiträge im Überblick: Für Peter Konopka ist Yoga religiös. Religion komme von „religare“, lateinisch für „anbinden, zurückbinden“. Da der Mensch als Gottes Ebenbild geschaffen wurde, verbindet er sich in der Religion sowohl mit dem „inneren Menschen“ als auch mit Gott. Yoga ist die indogermanische Wortwurzel für Joch, „das Joch anschirren“ ist eine alte Metapher für die Verbindung mit dem höheren Selbst. In diesem Grundmuster sind sich also Religion und Yoga gleich.

Der Unterschied zwischen Yoga, Hinduismus und Christentum sei ein kulturelles oder anthropologisches Problem, führt Astrid Dinges mit bemerkenswert sauberen Denkbewegungen aus. Diese gewohnten Kulturtechniken aufzugeben, hieße seine Lebensgeschichte aufzugeben. Erst in den „Tiefen des Todes“, wenn wir unser Ich aufgeben müssen, treffen sich alle Menschen in ihren gemeinsamen Mysterien des eigenen Selbst. Eine weiteres, verbindendes Mysterium sei die Liebe, die nicht auf Vernunftebene erfüllt werden kann. Mystiker aller Religionen versenken sich darin – und hierin liegt die Zukunft, das ist die spannende These des Textes: „Der Mensch kann die Religion der Vorfahren nicht mehr deuten“, schreibt Dinges. „Wir haben eine neue Sicht von Körper, Geist, Psyche und Welt ... gewonnen. Aber leider halten wir in der Psychologie, Pädagogik und Theologie noch an einem überholten Menschenbild fest und therapieren auch danach.“ Durch Yoga entsteht allerdings parallel eine neue, unmittelbare Religiösität jenseits der organisierten Religion.

Yoga setzt am Gemeinsamen im Unterschiedlichen an. Petra Proßowsky zeigt das anhand des Yogaunterrichts mit Kindern in einer Kreuzberger Schule auf, wo kulturelle Grenzen zwischen Ethnien und Religionsgruppen durch grundmenschliche Suchen überwunden werden. Gemeinsam ist den Menschen aller Religionen das Interesse, sich selbst besser kennenzulernen.

Im Rahmen seiner aktuellen Buchprojekte forscht Mathias Tietke derzeit über die Geschichte der Yogarezeption in Deutschland. Die Zwischenergebnisse können wir in Artikeln wie beispielsweise hier lesen. So erfahren wir, dass Yoga bei den Nazis durch die Veden (als Kulturgut der Arier) und die Bhagavad Gita, die der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, sehr schätzte, entweder toleriert oder sogar für die Nazi-Ideologie vereinnahmt wurde. Rudolf Hess war ein prominenter Schirmherr esoterischer, okkultistischer Bewegungen, brachte sich aber 1941 durch seinen Flug nach Schottland in Misskredit – mit schlimmen Folgen für manche Yogaübenden, die schließlich doch drangsaliert wurden. In der DDR gab es Yoga, es wurde kurz vor Mauerfall auch als Gymnastik gefördert. Aber die Informationslage war äußerst dürftig.

Alexander Kobs hat sich auf die Satkarmas, die Reinigungsübungen, im Yoga spezialisiert. Ausgehend vom ersten niyama in Patanjalis Sutra, dem Reinlichkeitsgebot sauca, erklärt sein Beitrag wie und warum Körper, Geist und Seele gereinigt werden müssen. Interessant ist dabei die Einbindung der Ayurveda-Lehre von den dosas, den Konstitutionstypen vata, pitta und kapha. Sie seien Körperfunktionen, die im gereinigten Organismus im Gleichgewicht stünden.

Yoga ist Umwandlung - und die vergleicht Eckard Wolz-Gottwald mit der Reinigung „verschlammter Gewässer“. Wenn bestimmte Übungen besonders anstrengend seien, sage dies etwas über unsere spezifischen Hindernisse durch Verunreinigungen aus. „Weniger machen – dafür mehr bekommen“ lautet das Motto des Autors für den Yogaweg. Reinigend ist also sein Übungsvorschlag wie folgt: sich bewusst zu machen, welche Asana besonders viel Mühe kostet – und dann Wege entwickeln, die Übung mit mehr Freude und Leichtigkeit auszuüben.

Neben ein paar Gedanken zu Sinn und Unsinn spiritueller Eigennamen und einem Loblied auf die Unvollkommenheit, geht es in diesem DYF auch um Yogabusiness. Für jeden angehenden Yogalehrenden ist hierbei die Erläuterung der Fachjuristin Anette Oberhauser lesenswert, welches Erwerbsmodell Yoga zum „Gewerbetreibenden“ macht und somit auch Gewerbesteuer bezahlt. Ein Freiberufler, der in verschiedenen Studios unterrichtet, bezahlt dagegen keine Gewerbesteuer. Hier bedient das Magazin die Interessen der Profis – schließlich ist es für Mitglieder des Verbandes der Yogalehrenden ja auch kostenlos.

Preis: 
€26.50
Ausführung: 
Magazin
Verlag: 
BDY