Community: Yogi Nomads im schwedischen Sommer

Yoga ist Beziehung, und zwar nicht nur zu sich selbst. Deshalb gibt es viele Experimente, Yoga miteinander zu teilen – und das Teilen als Yoga erlebbar zu machen. Zu den modernsten Formen gehören die couchsurfenden European Yogi Nomads. Ende Juni treffen sie sich wieder, diesmal im schwedischen Göteborg. 

Es ist faszinierend zu sehen, wie sich Yoga über den Erdball ausbreitet. In Europa wächst und vernetzt sich die Szene zusehends. Immer mehr Yoga Conferences, Festivals, Bhakti Summers oder vergleichbare Events bieten Gelegenheiten um sich zu treffen und kennenzulernen. Einen deutlichen Schritt weiter geht hier das Konzept der European Yogi Nomads (EYN), die sich im Oktober 2011 zum ersten Mal in Berlin trafen: Die Yogalehrer einer Stadt laden Yogis – dank Internet aus aller Welt – nicht nur ein, zu gemeinsamen Workshops ein, sondern besorgen ihnen auch eine private Unterkunft: zu Gast bei Freunden, auch „couch surfing“ genannt. Die Wohnorte der Gründerinnen der Initative sind über ganz Europa verteilt: Anne Vandewalle in Paris, Nanna Wagner-Nielsen in Kopenhagen, Anja Bergh in Göthenburg und die Managerin der European Yogi Nomads, Jana Toepfer, lebt und organisiert in Berlin.

Der Unterschied zu einem Workshop oder Festival liegt auf der Hand: „Es ist viel verbindlicher“, sagt Madhavi Y. Gümoes. Sie nahm schon am ersten Treffen in Berlin und an dem im vergangenen März in Kopenhagen teil. „Es ist mehr Party. Alles wird integriert  Bei den Yogi Nomads geht es darum, mit Menschen in Kontakt zu kommen und es auch zu bleiben. Es werden viele Freundschaften geschlossen, wir reisen herum, unterrichten gemeinsam Workshops und haben einfach viel Spass.“ Der Fokus liegt auf dem Gemeinschaftserlebnis: „Da geht es nicht um große Lehrer, die kommen, sondern alle verstehen sich auf einer Ebene. Ein großes Miteinander.“ Zwischen Berlin und Kopenhagen fanden die Yoganomaden auch schon in Basel zueinander.


Yogi Nomads beim gemeinsamen Üben. © EYN

Zu ihren Eindrücken gehört das Entdecken einer neuen Stadt genauso wie das Erlebnis der Gastfreundschaft. So beschreibt Yogi Nomad Sabine Klein den schönsten Augenblick in Kopenhagen: „Das war die Gänsehaut und das riesige Grinsen auf meinem Gesicht, als meine Freundin und ich nach einer Odyssee ( 1 Fahrrad, 1 platter Reifen, 2 Yogis, 2 Matten und keine Ortskenntnis) außer Atem, viel zu spät, aber doch noch zum genau richtigen Zeitpunkt am Ort des Hauptworkshops ankamen, wo die Yogalehrer Chris und Nanna gerade begannen, uns auf eine dreistündige Reise an neue Orte mitzunehmen. Der große Raum mit über 80 Yogis, die Trommelmusik, die Sonnenstrahlen, das Lachen, viele wunderbare Handstände, ein perfekter Moment.“

Ein Gegenmodell zu allen kommerziellen Angeboten und der Gedanken der „Kula“, der gastgebenden Yogis einer Stadt, machen den Reiz aus. „Eigentlich wollte ich die Stadt und die Yogastudios dort kennen lernen", sagt Sabine. „Nach 2,5 Tagen hatte ich viele neue Freunde und Lieblingsorte gefunden. Die Zeit verging viel zu schnell, zwischen Guerilla-Yoga-Sessions, Kaffee-Pausen am Kanal und spontanen Kochabenden haben wir vor allem das tägliche Leben der Kopenhagener Yogis und Yoginis erfahren. Ich habe zusammen mit meiner Freundin Maja bei Tania übernachtet, die uns freundlicherweise ihre ganze Wohnung inklusive heilender Teesammlung und gemütlicher Schmusekatze überlassen hat. Wir haben uns gleich wie zuhause gefühlt, und bekamen sogar eine ausführliche Einweisung ins Kopenhagener Bussystem. (lacht) Durch die persönlichen Kontakte und das Teilhaben am Leben der Kopenhagener war es für mich viel, viel mehr als ein Yoga-Wochenende.“ Ähnlich herzlich klingen die Erfahrungen von Madhavi: „Mein Host in Kopenhagen war so nett, dass daraus eine tolle Freundschaft entstanden ist und ich seitdem wieder zweimal in Kopenhagen war. Überhaupt ist es so schön, die Leute wiederzutreffen, sich auszutauschen und einfach eine herrliche Zeit miteinander zu haben. Der Hauptworkshop war auch wieder nicht zu überbieten.“


Plakat des Treffens der EYN in Göteborg © EYN

In Göteborg erwarten die Yogi Nomads lange Nächte, und zwar nicht nur wegen der Partys: Die wunderbaren Juninächte in Schweden gehören zu den kürzesten im Jahr. Die Workshops geben die Gastgeber, assistiert von eingeladenen Nomads. Das Herzstück ist der dreistündige Hauptworkshop, rundherum finden die „Guerrilla Yogaklassen“ statt, „bei denen es darum geht, dass ein traveling teacher und ein local teacher zussammen unterrichten", erklärt Organisatorin Jana Töpfer. „Diese Klassen im normalen 60- oder 90-Minuten-Format koennen kreativ sein, es gibt keine festgelegten Regeln. Ein traveling teacher kann ueberraschend mit in die reguläre Klasse eines local teachers kommen. Es können Stilrichtungen vermischt werden, oder es können sich auch mal zwei reisende Lehrer zusammentun, und gemeinsam etwas anbieten.“ Diese Stiloffenheit wurde durch die Vorwürfe gegen Anusara-Gründer John Friend beflügelt. Die Gründerinnen haben zufällig alle ihre Yogalehrer-Zertifikate in Anusara-Schulen erworben, der Hauptworkshop wurde bisher in dieser Tradition unterrichtet. „Da jetzt ja aber viele von den Anusaralehrern ihre Zertifizierung niedergelegt haben, ist es kein Kriterium, Anusara Lehrer zu sein", sagt Jana. „Im Gegenteil: Unser Projekt zeigt eigentlich, dass wir uns von diesem ganzen Wer-ist-aus-welchem-Stil-Theater freigemacht haben, und einfach das Yoga praktizieren, das wir lieben, und das sich für uns richtig anfühlt." 

So wird es in Göteborg sogar eine Cross-over-Klasse aus Kundalini (Mija Griborn) und Anusara (Jana Töpfer) geben. Das Treffen beginnt am Freitag, 29. Juni 2012. An diesem Tag stehen bereits am Nachmittag und Abend zwei Workshops auf dem Programm: eine „Teacher Practice“ und danach, 18 Uhr, die Opening Class des Schweden Erik Myrberg und des Dänen Soham Hansen. Am Samstag findet neben einer Morgenklasse von EYN-Mitgründerin Nanna Wagner-Nielsen der „Hauptworkshop“ am Mittag mit der Schwedin und EYN-Mitgründerin Anja Bergh und der US-Amerikanerin Leila Sadeghee statt. Abends trifft man sich bei einer Afro-Dance-Klasse und Dinner-Party. Sonntag werden sogar vier Veranstaltungen angeboten. Die Teilnahme am Hauptworkshop kostet umgerechnet rund 50 Euro, für Gastgeber gut 30 Euro. Die regulären Klassen liegen umgerechnet bei knapp 17 Euro.

tis

 

 

Zum Thema

Zur Anmeldungen für das Treffen vom 29. Juni bis 1. Juli 2012 auf die Website von yogibuddhi.

Für die Organisation einer Unterkunft – Couch – gibt es eine eigene Website. Unter den gastgebenden Göteborger Yogis – Kula genannt -  ist „couch surfing coordinator“ Lisa Eliasson auf direkt über E-Mail erreichbar: lisa [at] leetraining [dot] se

Offizielle Website der European Yogi Nomads (EYN)

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