Buchtipp: Die Kunst stillzusitzen

Der britische Autor Tim Parks hätte früher nicht im Traum daran gedacht, dass er einmal ein Buch über sich selbst und dann auch noch über seine Krankheit schreiben würde. Aber genau so kam es. „Die Kunst stillzusitzen. Ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung“ ist eine wunderbare und kitschfreie Reise zu einem entspannteren Sein.

Tim Parks ist um die 50 und lebt mit seiner Familie in Italien. Den Harvard-Absolventen kennt man eigentlich als erfolgreichen Sachbuchautor und Romancier, er ist der Autor von beispielsweise „Italienische Verhältnisse“ (1990) und „Mimis Vermächtnis“ (1995). „Die Kunst stillzusitzen“ allerdings ist eine wahre Geschichte, seine eigene. Er litt seit längerer Zeit unter undefinierbaren Schmerzen, vor allem im unteren Bauch. Das ist die Ausgangssituation seines Erfahrungsberichts. Parks unterzieht sich einer Reihe von Untersuchungen und setzt sich mit Ängsten vor chronischen Krankheiten und Krebs auseinander. Doch die Ärzte können nichts finden.

„Woher kommen diese Schmerzen?“, fragt sich Parks und verbringt die wegen seiner Schlafstörungen durchwachten Nächte mit Internet-Recherchen. Irgendwann trifft er auf alternative Methoden und Ansätze. Das zuzugeben, fällt ihm – dem Skeptiker gegenüber diesem Genre – zunächst nicht leicht. Aber seine Bereitschaft verändert sich in den Monaten des Unwohlseins. Eines Tages sitzt er dann doch während eines Kongresses in Indien vor einem ayurvedischen Arzt, beginnt New-Age-Bücher zu lesen, versucht sich in QiGong und nimmt an einem Vipassana-Meditations-Retreat teil. Mosaikstein für Mosaikstein setzt sich das Bild für Gesundheit und Heilung zusammen. 

Erste Linderung findet er mit Hilfe eines Buches. Stillsitzen lautet die Empfehlung, und atmen. Der Weg zur Stille ist mühsam für Parks, denn als Autor und Übersetzer lebt er von der Bewegung der Wörter. Diese muss er lernen, loszulassen, um ganz still zu werden. Rückblickend stellt er fest, das er sich über Jahre kontinuierlich in unbewusster Anspannung befand: Sei es im Schreibtischstuhl für seine Projekte oder bei den vermeintlich ausgleichenden Freizeitaktivitäten wie Joggen oder Wildwasserrafting, die er stets mit Wettbewerbscharakter erfüllte.

Parks beschreibt seine Erfahrungen: „Ich saß still. Ich atmete. Am Anfang war das ermüdend, ziemlich schmerzhaft und ohne unmittelbare Wirkung. Aber mit der Zeit wurde es so aufregend und bescherte mir so enorme körperliche und geistige Veränderungen, dass ich anfing, meine Krankheit als Glücksfall zu betrachten.“

Er lernt immer mehr, im Einklang mit seinem Körper zu leben und diesen nicht wie ein Projekt zu "managen". 

Fazit: Der Autor liebt den Umgang mit Worten und kann geschliffen formulieren, dazu ist er ein kluger Skeptiker. Gerade das macht seine Erfahrung bei der Grenzüberschreitung ins Reich der wortlosen Stille so spannend. Das Buch zeigt einmal mehr, dass Meditieren längst nicht mehr „eso“ ist. Absolut empfehlenswert!

 

Preis: 
€24.90
Ausführung: 
Gebundene Ausgabe
Verlag: 
Antje Kunstmann Verlag
ISBN/ASIN: 
978-3888976803