Begegnung mit Energie pur: White Tantra

Yogi Bhajan, der Gründer des Kundalini-Yoga, starb 2004. Trotzdem gilt er bei White Tantra-Treffen im Westen als der wichtigste Lehrer. Hierbei sitzen sich die Teilnehmer in langen Reihen gegenüber und unterstützen sich gegenseitig bei einer intensiven Erfahrung. Die hat Annette Koziel schon einige Male gemacht und beschreibt sie auf yogaservice.de.

Ich kenne Weißes Tantra vom Yogafestival in Frankreich. 2003 und 2004 war ich dabei – und die dreitägige Gruppenmeditation war das Anstrengendste, was ich im Yoga bisher erlebt habe. Und so bin ich nicht ohne Respekt zum Eintageskurs Anfang des Jahres nach Hamburg gefahren. Bei langen, anstrengenden Meditationen bekommst du deine Blockaden in Form von massivem Schmerz zu spüren. Wo die Gedanken sind, da ist die Kraft, also sollte man den Schmerz tunlichst ignorieren. Ich erzähle immer gerne, dass ich nur dank meiner Erfahrungen beim Weißen Tantra eine so super Geburt hingelegt habe. Ein Mal saßen wir volle 62 Minuten mit den Armen ausgestreckt nach vorne. Als Stütze hatten wir nichts als die Augen unseres Partners und vielleicht noch die Vorstellung, mit Yogi Bhajans Subtilkörper verbunden zu sein. Es war schwer, und danach war ich so leicht wie eine Feder.

In der Sasel-Halle in Hamburg haben, nach zahllosen Jauchzern der Wiedersehensfreude, mehr als 400 Yogis und Yoginis in Paarreihen Platz genommen. Wir beginnen zu chanten, sitzen und versinken in den Augen unseres Gegenübers. In der zweiten Kriya wird auch gechantet, in der dritten und vierten auch und wir halten unsere Hände gemeinsam mit dem Partner in einer Lotusform oder anderen Mudras. Sehr schön, aber überhaupt nicht anstrengend, denke ich etwas enttäuscht.

Bei der nächsten Kriya dürfen wir uns gar auf den Rücken legen. In den 20 Minuten Pause danach bleibe ich gleich liegen und schlafe ein. Bei der folgenden Kriya werde ich dafür 62 Minuten lang nicht mehr richtig wach, ein einfaches Mantra kann ich mir nur unter größter Anstrengung merken, ich gähne in einer Tour, kippe fast um.

Meinem Partner geht es genauso. Erst bei der letzten Kriya kommt richtig Freude auf. Wir tanzen im Sitzen, mein Partner und ich sind eine Bewegung, es ist richtig lustig und viele lachen, jauchzen und jubeln. Das matte Gefühl macht endlich der ersehnten Leichtigkeit Platz. Danach herrscht Frieden in mir. Ich spüre wieder mich und weniger die Erwartungen an mich. Zufrieden, aber nicht berauscht komme ich nach Hause.

Einige Tage später berichtet mir eine Yoga-Lehrerin, sie und eine Freundin hätten sich am Tag nach dem Weißen Tantra irgendwie down gefühlt – ganz anders als sonst. Das bringt in mir endgültige die alte Maschinerie in Gang: Down? frage ich mich, nein, das vielleicht nicht, aber so intensiv wie nach dem „anstrengenden“ Weißen Tantra Yoga Kurs in Frankreich hat es sich diesmal nicht angefühlt. Ist es also doch so, nur harte Arbeit bringt den Erfolg, ohne Schweiß kein Preis... Ein Glück, weiss ich es doch inzwischen besser. Im Yoga bedeutet Erfolg, ins Fließen zu kommen und im allerbesten Fall auch zu bleiben. Und ich habe mich im Fluß gefühlt. Geerdeter als nach dem Festival, aber das ist nicht so verwunderlich. Was mir bleibt, ein paar Wochen nach dem Weißen Tantra Yoga ist ein größerer innerer Focus und das Bild weißgekleideter Yogis und Yoginis, die sich freudestrahlend in den Armen liegen. Und einmal mehr die Erfahrung, dass Leistung nicht alles ist.

Annette Siri Rai Kaur

 

Artikelfoto: White Tantra Yoga in Miami im März 2010 © Rev. Adriana Hari Gobind Kaur/Love Driven

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Am Samstag findet in Frankfurt der eintägiger Workshop Weißes Tantra statt.

Yogastil: Kundalini-Yoga

Who is Who: Yogi Bhajan

Organisation: 3HO Deutschland e.V.

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Buch-Tipp: Grundlagen des Kundalini-Yoga von Satya Singh