Asana des Monats: Svarga Dvijasana und Modifikation
Komplexe Yogahaltungen wie der Paradiesvogel können nicht nur die körperliche sondern auch die geistige Flexibilität schulen. Ob Yoga-Anfänger, -Fortgeschrittener oder -Lehrender: Die Yogapraxis sollte immer wieder neu an den individuellen Zustand angepasst werden. Worauf es noch ankommt, erläutert Yogalehrer Detlev Alexander in unserer Rubrik Asana des Monats.
Svarga heisst Himmel oder Wohnsitz der Götter. Im Hinduismus bedeutet Svarga ein paradiesähnlicher Bereich, in dem sich eine Seele vor ihrer nächsten Inkarnation aufhält. Dvija hat zwei Bedeutungen: „Zweimalgeboren“ oder auch Vogel. In Indien werden Brahmanen (Angehörige der obersten Kaste) auch die Zweimalgeborenen genannt. Die zweite Geburt bezieht sich auf einen Initiationsritus, bei dem der Brahmane die „heilige Schnur“ - auch Upavita genannt - erhält. Zwei mal geboren werden darüber hinaus auch Vögel, zuerst als Ei und dann als Vogel.
Svarga Dvijasana, auch bekannt als Paradiesvogel, zählt zu einer komplexen gebundenen Standhaltung, wobei ein Bein zur Seite ausgestreckt wird. Wenn uns eine Yogastellung wie diese nicht ganz leicht fällt, haben wir verschiedene Möglichkeiten, wie wir uns dieser Herausforderung stellen können: Wir können uns über solche schweren Körperhaltungen aufregen, uns als "Yoga-Looser" fühlen oder sogar komplett mit dem Üben aufhören. Wir können aber auch mit Modifikationen arbeiten. Zum Beispiel kann uns ein Yogagurt behilflich sein, um die gebundene Haltung ausführen zu können. Ebenso kann uns eine Variante diese Stellung erleichtern. Dies trifft sich mit der Aussage Krishnamacharyas, dem Begründer des modernen Yoga: „Nicht der Mensch sollte sich dem Yoga anpassen, der Yoga muss sich dem Menschen anpassen“. Das bedeutet, dass wir unsere Yogapraxis unserem persönlichen, sich täglich ändernden Zustand – körperlich, geistig und emotional - angleichen. Es geht darum, sich die Yogapraxis zugänglich zu machen, angemessen und massvoll zu praktizieren. Unsere Yogapraxis ist ein subtiler und individueller Weg, um eine ganz persönliche und einzigartige Praxis zu entwickeln. Denn nur wenn eine Praxis wirklich persönlich ist, können wir von einer wahren Praxis sprechen. Eine andere Art von Modifikation könnte sein, dass wir in einer komplexen Asana wie Svarga Dvijasana unsere Sichtweise wechseln: Ändere nicht die Asana, ändere deinen Geist.
Viel Glück!
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