Asana des Monats: Pincha Mayurasana und Transformation

Umkehrhaltungen verändern unseren Blick auf die Welt, und Veränderung – Transformation – ist ein zentrales Thema im Yoga. Dem Unterarmstand kommt dabei eine besondere Rolle zu. Die Yogis haben sich dieses Asana beim Pfau abgeschaut. Warum gerade dieses Tier und das nach ihm benannte Asana für Verwandlung steht, erläutert Yogalehrer Detlev Alexander.

Pincha bedeutet Feder, mayura Pfau. In der Körperhaltung Pincha Mayurasana wird also ein Pfau nachgeahmt, welcher seine langen Schwanzfedern anhebt und wie ein Fächer auseinander spreizt. Es ist ein Bild des Stolzes und der Eitelkeit. In indischen Darstellungen balzt der Pfau seine Henne besonders während der Regenzeiten an. Meistens versammelt er bei diesem Balztanz mehrere Hennen um sich. Nach einiger Zeit legt sich dann eine paarungsbereite Henne vor den Hahn, während der noch sein prächtiges Rad schlägt und mit den Federn raschelt und zittert. Schleßlich aber faltet der Pfau sein Rad zusammen – und gibt der Henne einen Tritt...

Im tibetischen Buddhismus dagegen kennt man das Bild von einem Gift fressenden Pfau. Es wird erzählt, dass er dies tut, um all die schönen Farben in seinem Federkleid herzustellen. Dieses Bild steht für Transformation. Bei bestimmten Meditationsformen wie beispielsweise dem Tonglen im tibetischen Buddhismus nimmt der Übende Widerstände, Leiden und Schwierigkeiten in sich auf und transformiert sie, um Leichtigkeit, Großzügigkeit und Freude auszustrahlen. Auf diese Weise können die sogenannten Störgefühle – symbolisiert durch die Gifte – als ein Prozess des Recyclings angesehen werden. Meditationslehrer Chögyam Trungpa nennt dies „spirituelle Ökologie“.

Viel Glück im Sommer!

Detlev Alexander