Asana des Monats: Baddha Konasana und Nicht-Anhäufen

Wir vergessen gerne, dass wir eigentlich schon alles haben, was wir brauchen, um rundum glücklich und zufrieden zu sein. Meist neigen wir dazu, mehr und immer „besser“ werden zu wollen, sei es bei Arbeit, Familie, Geld – oder beim Yoga. Das macht unglücklich. Yogalehrer Detlev Alexander erklärt, wie man mit Baddha Konasana eine gesündere innere Haltung üben kann.

Aparigraha, ein Begriff aus dem Yogasutra des Patanjali, bedeutet so viel wie Nicht-Anhäufen oder Nicht-Horten. Aparigraha kann als Einladung verstanden werden, das anzunehmen und wertzuschätzen, was wir schon besitzen. Damit ist auch Gierlosigkeit gemeint. Wenn wir das Leben so annehmen könnten, wie es ist, dann ist es egal, ob es sich gerade von seiner angenehmen oder unangenehmen Seite zeigen mag. Dies wäre eine Wertschätzung allem gegenüber: unserem Frühstück, unserer Arbeit, Blumen, Rückenschmerzen, Freunde, Wolken und Regen, Yogahaltungen gegenüber, die wir nicht ausführen wollen und andere, die wir leicht ausführen können, sowie die Wertschätzung unserem Atem gegenüber. Durch unsere Praxis können wir lernen, all dies als eine Spiegelung unserer menschlichen Ganzheit anzunehmen und uns damit anzufreunden.

Baddha Konasana, die gebundene Winkelhaltung, gibt uns dabei eine ideale Praxisgrundlage. Wir akzeptieren unsere Hüftöffnung, so wie sie sich im Moment darstellt: flexibel und offen beziehungsweise fest und verspannt – oder irgendwo dazwischen. So können wir beispielsweise in der Vorbeugen-Variante von Baddha Konasana Gierlosigkeit anwenden, in dem wir, nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Bauchnabel zu den Füßen streben. Dies entschleunigt unsere Herangehensweise und ist auch aus anatomischer Sicht gesünder.

Viel Glück!

Detlev Alexander