Asana des Monats: Bhujangasana und Kleshas

„Rückbeugen!“ – nicht alle mögen Rückbeugen. „Nicht mögen“ nennt Patanjali ein Klesha. In diesem Falle ist es Dvesha, die Ablehnung. Die Kobra bietet die Gelegenheit, souverän im Umgang mit Kleshas zu werden. Yogalehrer Detlev Alexander erklärt sie – eine Rückbeuge – zum Asana des Monats und zeigt, wie man dabei seine Kleshas erforscht. 

Bhujanga bedeutet Schlange. In der Yogahaltung „Bhujangasana“ wird das Vorwärtsgleiten sowie das Aufrichten des oberen Körperdrittels einer Königskobra nachgeahmt. Die Kobra, wie die Übung im Westen genannt wird, zählt zur Kategorie der Rückbeugen. Sie kann in den Oberarmen anstrengend sein, falsch ausgeführt macht sie auch den Nacken eng oder belastet den unteren Rücken. Doch selbst wer sie korrekt übt, fühlt vielleicht eine irrationale Abneigung dagegen. Hier entwickelt der gekonnte Umgang mit Achtsamkeit seine besondere Wirkung.

Wenn wir mit Menschen zusammen sind, sind auch immer irrationale Kräfte wie Leidenschaft, Aggression oder Ignoranz im Spiel. In jeder Situation entsteht ein Für und Wider oder wir stellen uns „tot“. Diese Einstellungen werden im Yoga Kleshas genannt. Der Yogagelehrte Patanjali nennt fünf: Avidya (Ignoranz), Asmita (egozentrisches Verhalten), Raga (Anziehung), Dvesha (Abneigung) und Abhinivesha (Angst). Sie wachsen aus einer subtilen inneren Verkrampfung, die wiederum eine dualistische Wahrnehmung der Wirklichkeit mit sich bringt. Kleshas bestehen aus einer dynamischen, schwer fassbaren Energie. Eine Energie, ähnlich einem Sumpf, in dem wir zu versinken drohen, wenn wir nicht achtsam sind. Wenn wir die Kleshas nicht erkennen, können sie endlose Kettenreaktionen auslösen. Eine Emotion verstrickt sich mit der nächsten: Aggression, Gier, Ignoranz, Eifersucht und Egoismus – eine Qual für uns selbst und die Anderen. 

Nehmen wir an, dass wir keine Rückbeugen wie Bhujangasana mögen, dann könnte es dazu kommen, dass alleine der Satz des Yoga-Lehrers: „Jetzt machen wir Rückbeugen“, ein Warnsignal in uns auslöst. Das Klesha Dvesha (Abneigung) zeigt sich.

Was können wir in so einer Situation tun? Sie bietet die Gelegenheit uns zu fragen, wo dieses Klesha denn überhaupt sitzt. Was ist die Natur dieser Energie? Welcher Gedanke heizt dieses Klesha an? Unsere Gewohnheit ist es, diese negativen Gefühle auszuleben oder zu unterdrücken. Im Yoga versuchen wir nicht, diese Gefühle loszuwerden. Stattdessen nutzen wir unsere Aufmerksamkeit, um die Kleshas abzuschwächen. Die Aufmerksamkeit funktioniert wie eine Art Wächter, der uns schützt, nicht immer die gleichen Fehler zu machen und die alten Gewohnheiten zu stärken. Durch diese Wahrnehmung erlangen wir innere Klarheit und können nährende und heilsame Gefühle fördern.

Viel Glück!

Detlev Alexander