Asana des Monats: Agni Stambhasana und Achtsamkeit der Gefühle
Eines muss man fordernden Asanas wie der doppelten Taube lassen: Sie erzeugen ein Feuerwerk an Empfindungen und Gefühlen. Deren Beobachtung macht aus Gymnastik Yoga. Hierbei erfährt der Übende Gefühle als Sinnesorgan, wie Yogalehrer Detlev Alexander in unserem Asana des Monats erläutert.
Im letzten Monat dieses Jahres legen wir den Fokus noch einmal auf Gefühle. Das Asana des Monats ist Agni Stambhasana – agni, sansrkit, heißt Feuer, stambha Säule oder Pfosten und asana Haltung oder Sitz. Im Westen wird diese Körperhaltung aber auch oft „doppelte Taube“ genannt, in Anlehnung an die einfache Taube, bei der nur der Unterschenkel eines Beines vorne quer liegt. Bei der „doppelte Taube“ bekannt. Amerikanische Lehrer nennen das Asana gerne „Ankle to knee“ – Fußknöchel ans Knie: Die Schienbeine des Praktizierenden gleichen zwei aufeinander gestapelten Holzscheiten. Bei Oberschenkel werden durch die Drehung stark gedehnt, die Hüfte geöffnet. Hüftöffner können tiefsitzende Gefühle freisetzen.
Wir sind Körper, Geist, Sinneswahrnehmungen und Gefühle. All dies können wir als Fundament, als idealen Ausgangspunkt für die Achtsamkeitspraxis unseren Gefühlen gegenüber benutzen. Der Yoga sowie auch die buddhistische Psychologie zählen den Geist mit seinen Gefühlen zu den Sinnesorganen. Das heißt wir beziehen uns bei der Beobachtung der Gefühle auf alles, was durch die Sinnespforten, einschließlich des Geistes, hereinkommt. Wir stehen hier an einem nahtlosen Übergang, an einer Schwelle von Körperachtsamkeit zur Achtsamkeit des Fühlens.
Zu Beginn ist da ein reines, frisches Gefühl, eine Empfindung im ersten Moment. Dann folgt eine erste Reaktion mit einem Beigeschmack von angenehm, unangenehm oder neutral. Wenn wir dabei nicht achtsam sind, wird aus diesem Gefühl schnell eine Emotion wie Wut oder Angst. Emotionen schaukeln sich gerne nach oben und daraus entstehen dann oft Probleme. Chögyam Trungpa Rinpoche beschreibt Emotionen als eine Mischung von Energie und Gedanke – Gedanken, die sich für wichtig halten, sogenannte „VIP- Gedanken“.
Wenn wir nun den Gefühlen gegenüber Achtsamkeit praktizieren, öffnen wir uns vollkommen der Beschaffenheit der aufkommenden Gefühle und Empfindungen. Wir fühlen sie vollständig, durch und durch. Ob angenehm, unangenehm oder neutral, wir versuchen sie so direkt und nackt wie möglich zu spüren. Schließlich lassen wir Gedanken, einschließlich unserer Gefühle, wieder los. In Agni Stambhasana können wir alle Empfindungen und Gefühle als „Brennstoff für die Flamme“ der Achtsamkeit betrachten.
Viel Glück!
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Zur Praxisanleitung von Agni Stambhasana
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